BLUE PEARL
ab 19. April. 2004

Sydney
Am Montag dem 19. April enterten wir zum zweiten Mal die grosse Bucht vor Sydney.
Wie schon vor zwei Wochen war vor der Metropole reger Betrieb von Ausflugsschiffen - Fähren - Motor-und Segeljachten.

Auf dem Kurs in Richtung Blackwattle Bay, wo wir schon bei unserem ersten Aufenthalt vor Anker lagen, kreuzten wir das Opernhaus, das mit 102 Millionen $ Baukosten im Jahre 1973 eröffnet wurde, nachdem die Kosten ursprünglich mit 7 Millionen $ kalkuliert waren.
Seither teilen sich Opernhaus und Harbour Bridge, die wir kurz darauf unterquerten den Anspruch, als Wahrzeichen von Sydney zu gelten.

In der Blackwattle Bay liegen wir nur wenige Gehminuten von der City.
Vor uns präsentiert sich die Südwestfront der Skyline, deren "Wolkenkratzer" zunehmend mehr werden. Südlich von unserem Liegeplatz überquert die "Anzac Bridge", eine moderne mehrspurige Hängebrücke die Bay. Von ihr, sowie vom Zentrum der Stadt werden wir mit einem nie abschwellenden Geräuschpegel berieselt.

Mit dem Beiboot verholen wir uns jeweils an den Steg des "Sydney Fisch Market", dem grössten Fischmarkt Australiens. Nebst dem regen Betrieb, ausgelöst durch den Umschlag aller Arten von Meeresbewohner, finden täglich viele Touristen den Weg an diesen Ort.
Zusammen mit Simone und Andrea besuchten wir das Olympia Stadion. Während die beiden sich in den folgenden Tagen verschiedene Attraktionen vornahmen, sorgte sich die Stammcrew der BLUE PEARL anschliessend um das Wohl des Schiffes.

In der Broken Bay musste bereits der GPS ausgetauscht werden, nun war es an der Zeit, einen Glaslieferanten für den Ersatz einer Deckhausscheibe zu finden.
Im weiteren musste die Digitalkamera mit einem Zoomdefekt in Reparatur gebracht werden.
Die Whitlock-Steuerung bedurfte einer Generalüberholung. Bei der Konstruktion dieser Anlage hätte sich der Hersteller mit unwesentlichem Mehraufwand für eine verschleisslose Anlage entscheiden können. Nun war bereits das Entfernen der Bolzen, die an den Enden durch mechanische Einwirkung ausgeweitet wurden, eine mit Bordmitteln beinahe unlösbare Aufgabe.
Im weiteren mussten Seekarten und Handbücher für den bevorstehenden Trip nach Neu Kaledonien gekauft werden. Diese orteten wir bei Boat Books in Crows Nest, einem Vorort von Sydney.

Nachdem alle Vorkehrungen zur Instandsetzung von Schiff und Ausrüstung getroffen waren, blieb uns Zeit, uns den Highlights der Stadt zuzuwenden.
Zu dieser Zeit hatten wir schon einige Dutzend Stadtkilometer in den Beinen, da wir es vorziehen, Metro und Busse nur für lange Strecken zu benutzen.
Dabei hatten wir nebst dem Darling Harbour auch mehrmals die Fussgängerzone der Pitt Street Mall gequert.

Nahezu die Hälfte der unzähligen Passanten scheint asiatischer Herkunkt zu sein.
In U-Bahnstationen und ähnlichen Knotenpunkten fühlte ich mich unter den vielen Passanten oft wie in einem Ameisenhaufen.
Ruhiger ging es im Hyde Park zu. Nebst einem grossen Schachspiel, das auch benutzt wurde, trafen wir auf einen Asiaten, der sich während seiner Meditation am Wegrand, wie eine Pantomine bewegte. Sein angeborenes Lächeln wirkte dabei so unschuldig und in sich gekehrt, dass wir ihn als absolute Attraktion empfanden.
Anschliessend an den Park trafen wir auf die St. Marys Cathedrale. Deren gotische Natursteinfassade schien das vergangene Jahrhundert schadlos überstanden zu haben, und präsentiert sich in entsprechend gutem Zustand.

Im Innern des schlanken Gebäudes bestimmt die Decke, die in einzelnen sich selbsttragenden Kuppen aus Naturstein gebaut ist, das Bild. Durch die vielen, hoch angebrachten Fenster mit Butzenscheiben, deren farbige Bilder Geschichten aus alten Zeiten erzählen, dringt kaum genügend Licht ins Innere. Zusätzlich wurden Scheinwerfer montiert, die mit gelbem Licht die Farbe des Natursteins, aus dem auch die hohen Wände und Pfeiler gebaut sind, zur Geltung bringen.
Ein Beichtstuhl erinnerte mich an Zeiten, wo ich bei dessen Benutzung, selbst von der Schuld verlorener Wetten in Millionenhöhe freigesprochen wurde.

Das Opernhaus hatten wir in seiner Front bereits dreimal mit der BLUE PEARL gequert, als wir uns von der Rückseite, sofern es diese gibt, dem Komplex ein weiteres Mal näherten.
Die schlichte Architektur aus Beton, deren Konstruktion als Spitzbogenelementen zusammengefügt ist, imponierte mir. Wie die runden Dachkuppen sind die meisten Bauteile sowie die Vorplätze und Treppen, in Elementen aus Beton oder Waschbeton angefertigt. Dadurch präsentiert sich die Anlage mit zum Teil riesigen Räumen in gediegener Schlichtheit.

Die äussere Dachhaut ist vollflächig mit kleinformatigem Keramik in einem Mörtelbett verlegt.
Später überquerten wir zu Fuss die Harbour Bridge, wobei sich das Opernhaus ein weiteres Mal von seiner "besten" Seite präsentierte.

Die Brücke die mit 503 Meter Länge als zweigrösste Einbogenspannbrücke der Welt gilt, wurde 1932 eingeweiht.
Sie bietet Platz für acht Fahrspuren, zwei Bahnlinien, und zwei Fuss-und Radwege.
Aus einem Reiseführer konnte ich entnehmen, dass der regelmässige Neuanstrich 30`000 Liter Farbe braucht, und dass Paul Hogan, der später als "Crocodile Dundee" Schauspielerkarriere machte, zeitweilig als Brückenmaler auf der Lohnliste stand.

Von den Flying Foxes, die zu Hunderten in den Bäumen des botanischen Gartens hängen, war ich besonders angetan.
"Fliegende Füchse", weil ihr rotbehaarter Kopf mit spitzer Schnauze und Ohren, einem Fuchskopf sehr ähnlich ist. Die Flügel sind schwarz und unbehaart, ein mit Haut bespanntes Knochengerüst. Eine Konstruktion, die auch gute Segeleigenschaften aufweist, und im Licht der Nachmittagsonne mit einem Fluggerät mehr Ähnlichkeit hatte, als mit einem fliegenden Fuchs........
Für unsere Vorstellung sind es Riesenfledermäuse mit zum Teil über einem Meter Flügelspannweite, die sich von Früchten, also vegetarisch ernähren. Die nachtaktiven Tiere wechseln aber auch am Tag oft ihren Platz in den Schlafbäumen.

Zudem sind ständig gegenseitige Annäherungen zu beobachten, die zum Teil in Streit ausarten.
Ich konnte Tiere beobachten, die sich mit den Beinen und Flügel haltend, dicke Äste hochgeklettert sind, mit derselben Technik, wie wir sie anwenden würden.

Am Sonntag dem 2. Mai traf sich unser Besuch in der Art Gallery zufällig mit dem Beginn eines Konzertes. Zwei junge Pianisten "elf und fünfzehn Jahre" und eine fünfzehnjährige Pianistin waren am Flügel zu bewundern.
Überlegt mann sich, dass die Stücke von Johann Sebastian Bach der von 1685 bis 1750 lebte, noch vor der Entdeckung Australiens geschrieben wurden, wird man sich dieses Phänomens bewusst.
Entsprechend ist das Können der jugendlichen Pianisten zu werten, die in der Lage sind, solche Kompositionen auf dem Piano wiederzugeben...

   
 


   
 


 


 


   
   
   
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