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ab 03. Februar 2004 |
Tasmanien
/ Burnie - Devenport - Georges Town
Um 13 Uhr löste uns Mick die Leinen von der Mole, nachdem zuvor
Lynn von der Immigration kurz vorbeigeschaut hatte.
Obwohl es auch hier in der Region von Burnie viel zu sehen gäbe, drängten
wir darauf, uns auf den Weg nach Hobart, der Hochburg der Segler zu machen.
Bereits um 17 Uhr enterten wir den Mersey River und ankerten vierzig Minuten
später vor dem gleichnamigen Jachtclub.
Weiter Flussabwärts hatte auch die grosse Fähre "SPIRIT of TASMANIA" festgemacht,
die für die Verbindung nach Melburne sorgt.
In dem kleinen Ankerfeld waren nur wenige Jachten vertäut, und davon die
meisten mit nostalgischem Einschlag.
Nachdem wir unser Dingi ausgebracht, und bereits einen kurzen Besuch
in Devenport am Westufer des Mesery Rivers gemacht hatten, besuchte uns
Steve, der Commodore des Clubs und anerbot uns, an einer freien Boje
festzumachen.
Wir glaubten, uns später im Club wieder zu treffen, soweit kam es jedoch
nicht.
Beim Anlegen am Clubsteg, an dem einige Jachten vertäut waren, weckte
der Bugsprit einer Segelyacht unser Interesse.
Der Eigner, Steven, erklärte uns nur zu gerne dessen Technik und wenige
Augenblicke später hingen wir zusammen über dem geräumigen Bugraum
auf dem Vordeck der NAHANI.
Kurz darauf trafen wir im Innern der Jacht, die Steven, dessen Beruf Schiffsbauer
ist, selbst gebaut hatte, auf seine Frau Christine.
Die Jacht war mit ausschliesslich edeln, alten Hölzern ausgebaut,
wobei das handgehauene Tischblatt weit über hundert Jahre alt ist,
und in seiner Vergangenheit nachweisbar den Weg von Australien nach England,
und zurück auf die NAHANI gefunden hatte.
Das Handwerk war von höchstem Niveau und mit grösster Sorgfalt ausgeführt
, was uns überraschte, da wir mehrfach gehört hatten, dass in Australien
Jachten oft spartanisch ausgebaut werden.
Anschliessend verging beim Rotwein die Zeit im Fluge, und als wir später
mit dem Dingi vom Steg ablegten, lag auch der Jachtclub im Dunkeln.
Am nächsten Tag versorgten wir uns in der Stadt, wo wir an einem kleinen
Fähranleger in der Nähe des Zentrums festmachten.
Nachdem wir am Vorabend im Jachtclub in den Genuss einer Dusche kamen,
und an der Theke der Clubbar die Bekanntschaft mit einigen Mitgliedern
gemacht hatten, setzten wir am fünften Februar nach zwei Uhr nachmittags
die Segel, mit Ziel Georges Town.
Am Abend erreichten wir mit raumem Wind die Mündung des Tamar Rivers,
dessen erste Meilen schiffbar sind.
Da das Wetter günstig war, wählten wir den Kurs zwischen der in die
See ragenden Landzunge "West Head" und dem Hebe Reef. Die breite
Mündung des Flusslaufes selbst war gut markiert, aber mit einigen Richtungsänderungen,
und vielen Untiefen war höchste Aufmerksamkeit geboten.
Weil die Zeit unserer Ankunft gut gewählt war, profitierten wir von der
auflaufenen Tide, die uns in Richtung Georges Town schob.
Die Flussbucht von Georges Town wird von einem modernen Anleger mit geschlossener
Gangway dominiert, in der Art wie wir sie zum besteigen von Flugzeugen kennen.
Doch dieses Relikt gehört bereits zur Vergangenheit, da Georges
Town als Folge fehlender Passagiere "zum Unmut der Einwohner" seit
Jahren nicht mehr von der Fähre angelaufen wird.
Nach einem fehlgeschlagenen Ankerversuch wurden wir an den Anleger gewunken,
wo Richard unsere Leinen entgegennahm.
Mit dem Clubcommodore, der den Club selbst als praktisch tot erklärte,
vereinbarten wir für das liegen am Steg und die Benutzung der Duschen
zwanzig AU$, was etwa 20.- Sfr.. entspricht.
Während sich der Vorstand des Georges Town Jacht Clubs zur Krisensitzung
traf, begleiten wir Richard in die Bar eines nahegelegenen Hotels, wo wir den
Abend im Kreise von ihm und seinen Freunden verbrachten. David ein Segler fragte
uns nach der Passage des Riffs, das westlich der Flussmündung liegt. Als
er hörte, dass wir das Riff landseitig gequert hatten, liess er verlauten,
dass diese Passage Insidern vorbehalten sei, und er bisher keine ortsunkundige
Segler kenne, die dieses innenseitig passier hätten. Zudem gehöre
die Anfahrt nach Georges Town nachts mit zu den gefährlichsten.
Wir hatten die Anfahrt am Tag passiert, aber die Bar, die mich schon
beim Betreten das Schwanken spüren liess, das wir als Segler oft
in geschlossenen Räumen wahrnehmen, und das sich anfühlt, als
wäre ich auf See, schien es in sich zu haben.
Ich bin mir indessen sicher, dass ich auch am späteren Abend nur diese
natürlichen Schwankungen auszugleichen versuchte.
Wobei unsere Freunde in dieser Atmosphäre ihren gewohnten Tagesablauf
beendeten, würde mir dieses Leben auf Zeit sicher zu anstrengend..... "Man
wird älter"
Richard der uns anschliessend zum Schiff begleitete liess es sich nicht entgehen,
die BLUE PEARL in unserer Gesellschaft um eine in Kapstadt gebunkerte Flasche
Chardonnay zu erleichtern.
Am nächsten Abend dann legten wir nach einem kurzen Besuch von Richard
noch vor dem abendlichen Tidenbruch ab, so dass wir im Fluss die Strömung
noch nicht gegenan hatten, und später die steigende Tide zusätzlichen
Speed in Richtung Osten versprach.
Mit der einbrechenden Nacht waren wir unterwegs in Richtung des tasmanischen
Nordostkaps, an dessen Ostküste wir uns am nächsten Tag eine
sichere Ankerbucht erhofften. |
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20. Feb. 2004 |
Tasmanien "Hobart"
Am 14. Februar sind wir hier in Hobart eingetroffen, nachdem wir die letzten
zwei Tage in der Bucht vor Port Arthur vor der Insel Peninsula gelegen hatten.
Port Arthur war eine Festung, die ab 1830 als Strafkolonie gebaut wurde.
Bis Ende 1877 die Deportation von Straffälligen eingestellt wurde, durchliefen
etwa 12500 Strafgefangene die Gefängnisstadt.
Zum Teil sind die Verliesse noch im Originalzustand und lassen die Besucher
erahnen, wie kärglich die Gefangenen dort dahinvegetierten.
Ausgetretene Steine in den Gängen und Verliessen sowie abgegriffene
Kerkertüren, Handläufe und Griffe lassen in meinen Gedanken
die Vorstellung alter Zeiten aufleben.
Die Gruften für die Dunkelhaft jagen mir noch heute einen Schauer über
den Rücken.
Die Einsicht in Dokumente aus dieser Zeit beweisen, dass sozial schlechtgestellte
Personen schon für kleinste Vergehen aus England deportiert, und im fernen
Tasmanien für viele Jahre eingekerkert wurden.
Von der gepflegten Parkanlage mit Alleen, alten Eichen und herrlicher
Sicht in die Bucht, werden die meisten Insassen nicht viel mitgekriegt
haben.......
Gut erhalten ist auch die 1836/37 von Strafgefangenen in Naturstein erbaute
neogotische Kirche, deren Ruine selbst ohne Dach und Ausbau mit einer starke
Ausstrahlung auf den Besucher wirkt.
Am Nachmittag des 13. Februar wollten wir die geschützte Bucht vor Port
Arthur verlassen, um auf halbem Weg nach Hobart, in der Wedge Bay, Zwischenhalt
zu machen. Der Wind gegenan war jedoch so stark, dass wir es vorzogen, bereits
nach fünf Meilen in der Saftey Cove Schutz zu suchen.
Nach einer ruhigen Nacht lichteten wir am nächsten Morgen kurz nach sechs
Uhr den Anker, und genossen in schneller Fahrt mit halbem Wind das herrliche
Sommerwetter.
In der Anfahrt zum Dervent River querten wir den auf einem flachen
Felsen der Landzunge vorgelagerten Leuchtturm "Iron Pot". Mit
seinem Licht weißt er den von der Storm Bay einlaufenden Schiffen
den Weg, und präsentiert sich uns wie alle Leuchttürme, die
wir in Tasmanien passierten in einem baulich ausgezeichneten Zustand.
Am frühen Nachmittag erreichten wir die Bucht vor Hobart, wo gleichzeitig
Regatten in verschiedenen Klassen ausgetragen wurden.
Während wir uns noch zögernd der Einfahrt zur Kings Pier Marina
näherten, wurden wir vom Tower aufgerufen, und gefragt ob wir einen
Liegeplatz im Constitution Dock wünschen, wofür uns eine Zugbrücke
geöffnet werden musste.
Nach kurzer Zeit lagen wir sicher vertäut an der Stadtpier von Hobart.
Wie viele Grosstädte hat auch das von Kapitänleutnant David Collins
1804 gegründete Hobart, seinen eigenen Charme.
An die Ostflanke des 1270 Meter hohen Mount Wellington gebaut, und von der
grossen Bucht des Dervent River gesäumt, vermittelt die Inselhauptstadt
mit ihren 190'000 Einwohnern einem beinahe kleinstädtischen Flair.
Mit über hundert historischen Bauwerken in georgianischer Architektur
gilt Hobart als grösstes Freilichtmuseum Australiens.
Die wenigen Hochhäuser wurden sorgfältig in das Stadtbild eingefügt.
In deren Front wurden mehrheitlich die alten Fassaden erhalten und integriert.
Heute liegen wir mit einigen weiteren Jachten und zwei, drei von Australiern
zu Fahrtenschiffen ausgebauten Fischtrawlern, zur Freude vieler Passanten im "in
dem in der Stadt liegenden" Constitution Dock, das an seiner Westseite
vom alten in georgianischem Stil gebauten Customshaus flankiert wird.
Gegen Jahresende quillt dieser kleine Hafen über von Menschen und
Jachten, wenn alle dem Ausgang der Regatta Sydney - Hobart entgegenfiebern.
Vor den Kulissen der einst von Häftlingen in Sandstein gebauten alten
Lagerhäuser und Kontore, die heute als Boutiquen, Cafes, Souvenierläden
und vieles mehr dienen, findet jeden Samstag der nach dem Platz genannten Salamanca
Markt statt.
Wir hatten uns bei dieser Gelegenheit mit gebrauchten australischen Bilderbänden
und Reisebüchern zum Bruchteil des Neupreises versorgt.
Anscheinend fanden ausser uns noch einige tausend weitere Besucher Spass an
diesem Anlass.
Das Reisen in der weiten Region um die Hauptstadt für das ganze Busnetz
mit einem Tagesabonnement für Fr. 3.90 ist ausgesprochen billig...........
Nachdem wir die Stadt bis in die letzten Winkel durchstreift hatten,
führten uns weitere Besuche in den botanischen Garten und auf den
Mount Wellington.
Dabei stellten wir fest, dass neben vielen bei uns heimischen Bäumen und
Pflanzen auch viele tropische Pflanzen anzutreffen sind. Selbst Papageien besiedeln
die Insel, deren Temperaturen im Winter in tieferen Regionen mit durchschnittlich
fünf Grad kaum auf den Gefrierpunkt fallen.
Andererseits sind die Wetterwechsel abrupt, und selbst im Sommer kann es in
höheren Regionen zu für die Touristen gefährlichen Temperaturstürzen
kommen.
Nebst der Bergwelt, die sich kaum von Schweizerverhältnissen unterscheidet,
geniessen wir die Aussicht in die Buchten und Hügelkämme, die den
Südosten Tasmaniens zu einem Eldorado für Segler machen. |
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25. Feb. 2004 |
Tasmanien
Die "Russell
Falls"
Der erste Trip mit dem gemieteten Kleinwagen führte uns
zu den Russell Falls.
Wie allen Wasserfällen in Tasmanien fehlt dem Russell Fall die Wassermenge,
um imposant zu wirken.
Dennoch ist beeindruckend, wie sich das wenige Wasser in der abgestuften
Wand verteilt, und wie ein leichter Vorhang von den Felskanten plätschert.
Weit mehr als dieser Wasserfall beeindruckte uns der Regenwald, der in dieser
Region als Nationalpark unter Schutz steht.
Riesige zum Teil bis über neunzig Meter Hohe Eukalyptusbäume, die
mit zu den grössten Bäumen der Welt gehören, ziehen uns
in ihren Bann.
Auch wenn deren Kronen von Jahrhunderten gezeichnet sind, offenbaren uns
die langen Stämme mit zum Teil weit über zwei Meter Durchmesser
neue Dimensionen.
Selbst wenn sie nach einer Lebensdauer von bis über dreihundert
Jahren, vom Alter geschwächt, den Elementen zum Opfer fallen,
wirken sie in ihrer fast unglaublichen Proportion majestätisch.
Es wird viele weitere Jahre dauern, bis sie dem Erdboden gleichgemacht
sind.
Selbst die Farne erreichen in dieser Umgebung ungekannte Dimensionen.
Wie Palmen treiben sie stetig neue Schosse. Dabei entwickelt sich ein
Stamm, der im laufe der Zeit einen beträchtlichen Umfang erreicht,
und mehrere Meter hoch werden kann.
In diesem Umfeld sichteten wir die ersten Kängurus, die sich allerdings
schon bald in dichteres Unterholz absetzten.
Am Parkeingang trafen wir auf einen Caravanpark. Es ist erstaunlich
wie einfallsreich zum Teil alte Busse und Trucks in Wohnheime und Expeditionsfahrzeuge
umgebaut werden.
In der vergangenen Woche besuchten uns die Schweizer Thomas und Christine,
die mit ihren zwei kleinen Kindern mit einem Pinzgauer unterwegs sind.
In ihrer Gesellschaft befanden sich Dieter und Dagmar aus Deutschland,
sie hatten mit ihrem extrem geländegängigen ausgemusterten
Armee-Unimog nebst weiteren Destinationen auch China und Russland bereist.
Für sie muss wohl anstelle "auf Grenzen stossen", an Grenzen
stossen angebracht sein...
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