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| Kapstadt 28. Sep. 2003 |
Die ersten zwei Wochen in Kapstadt liegen bereits hinter uns. Wir haben die Zeit genutzt, um die BLUE PEARL auf Slip zu legen. Bei dieser Gelegenheit ersetzten wir die traditionelle Stopfbuchse mit einer trockenen Schaftdichtung von VETUS. Da dazu die Welle ausgebaut werden musste, passten wir bei diesem Arbeitsgang die neue Ersatzwelle und Schraube ein. |
| Kapstadt 18. Okt. 2003 |
Während einige Arbeiten unserem Wunsch entsprechen verliefen, scheint in einigen Details der Wurm zu stecken. So hat sich im Vergaser des Mercury Aussenborders seit dem letzten Gebrauch in der Antarktis Korrosion angesetzt. Die Achse der Luftklappe sitzt unbeweglich fest. Es bleibt die einzige Möglichkeit, das Stück mechanisch zu entfernen, und mit einem neuen Teil zu ersetzen. „Lieferzeit zwei Wochen“. Im weiteren hatte die Rettungsinsel „AUTOFLUG“, die in einem wasserdichten Kunststoffbehälter in einer Plastikhülle vakuumverpackt auf dem Deckhaus gelagert ist, zwischen dem Wartunsinterwall der letzten zwei Jahren Wasser gemacht. Demzufolge wurde der grösste Teil der Ausrüstung unbrauchbar zerstört. Dazu kam, dass die Insel aufgrund eines korridierten Fentiles die Luft nicht halten konnte, was bei Gebrauch im Notfall zu unvorstellbaren Folgen geführt hätte...... Trotz einiger Rückschläge erstrahlt die BLUE PEARL in neuem Glanz, was einem Reinigunsmittel zuzuschreiben ist, auf das wir durch Insider-Informationen gestossen sind. Am 24.-26. Oktober findet hier in der Waterfront von Kapstadt die Boat & Watersport Show statt, was wir nicht versäumen wollen. Nebst weiteren Attraktionen wird die PELACEK, eine neu in Durban gebaute 70 Fuss (21 Meter) Aluminium Segelyacht erwartet, die speziell für Exkursionen mit Gästen in hohen Breiten gebaut wurde. Sollten dann noch nicht alle für die Wartung benötigten Teile eingetroffen sein, könnten wir uns einen Kurztrip in das ca. 500 km entfernte Namibia vorstellen. |
| Kapstadt 04. Nov. 2003 |
Zunehmend erledigen wir anstehende Pendenzen, die sich andererseits in Eigendynamik zu vermehren drohen... Da jede Jacht ein endloses Werk ist, bleibt einem sich vorrangig auf das Wesentliche zu Für grössere Trips fehlte uns die Zeit, oder zumindest verteilten sich die Termine so, So ist kurz nach dem Japaner Masayuki mit der Benetau „BEAM“, John aus Alaska mit seiner So treffen sich dann die Crews der vier Jachten nach Kap Hoorn, nun unerwartet am |
| Kapstadt 10. Nov. 2003 |
Nahezu täglich treffen wir Fahrtensegler uns jeweils am Abend auf Jacques GLORY OF THE SEA oder auf der BLUE PEARL „zum Dinner“, wie Jacques sich zu äussern pflegt, oder zum Kaffee, was sich oft bis in die ersten Morgenstunden erstreckt. Nachdem uns Jacques Vergangenheit aufgrund seiner Erzählungen, verschiedener Filme und Fotos nun bekannt ist, können wir euch diese nicht vorenthalten...... Jacques hatte den Beruf eines Segelmachers erlernt, und mit 18 Jahren in einem Dorf in der Nähe von La Rochelle, wo er seit seinem dritten Lebensjahr lebte, mit dem Bau einer 40 Fuss Ferrozementjacht begonnen, die dann vier Jahre später fertiggestellt, und transportbereit war. Als Folge blieb trotz heftigem Protest der Nachbarin, auch deren Hausfassade nicht verschont. Nebst verschiedenen Aktivitäten auf Charterschiffen und Engagements als Unternehmer, Die Werft ging während der Bauzeit in Konkurs... die sich im Bau befindende Jacht verlor Dazu verfügt sie über 2 Ballast Hubschwerter mit bis 3.5 Meter Tiefgang, und 2 Ruder die Der Deal schien zu klappen, und Jacques begann die Jacht, die vom Museum in der Die Jacht wurde vom Museum als gestohlen gemeldet, und Jacques bei seiner Ankunft in Newport USA verhaftet und in Eisen gelegt. Auch der französischen Bevölkerung „die den Fall interessiert verfolgte“, fiel es leicht, für ihn Stellung zu nehmen. Jacques wurde vom Gericht zu einem Monat Gefängnis bedingt und einem Franc Busse, „die nie eingefordert wurde“ verurteilt. Der bei dieser Expedition gedrehte Film, und viele Fotos zeigen, dass die Crew nebst vielen Im Gegensatz zu Jacques, konnten wir uns mit der BLUE PEARL nicht trocken fallen lassen, dazu plagten wir uns mit der Folge der nicht genügend vorhandenen Leinen „500 bis 600 Meter braucht es“, um ein Schiff in der Telefon Bay sicher zu vertäuen. Während wir mit dem geschädigten Rigg Anfang März noch vor Jacques Eintreffen, ohne Stop die 4500 Meilen Seefahrt nach Kapstadt aufnahmen, verholte Jacques sich zwei Monate später, „mitten im südlichen Winter“ von Deception Island nach St. Georgia, und verbrachte im Kontakt mit der dort unvergleichlichen Tierwelt weitere arktische Winterwochen in gut geschützten eisfreien Ankerbuchten. |
| Indischer Ozean 10. Dez. 2003 |
Die Roaring Forties sind vielen vom Namen her bekannt, was sich jemand damit vorstellt, Der Bereich in den Vierzigern bietet sich an, weil eine ostwärtssegelnde Jacht die zwischen Seit wir am Samstag in Kapstadt abgelegt hatten, haben wir in etwa alle möglichen Wind- und Wetterbedingungen erlebt, aber wann immer es möglich war, beharrlich Kurs Südost gehalten. Nachdem wir uns letzte Nacht in einem Ausläufer eines Hochs mit rundumdrehenden schwachen Winden plagten, liegt zurzeit Wind aus Nord-Ost mit 35 bis 45 Knoten in Sturmstärke an, was uns "Hack" mit Speed von acht bis neun Knoten bringt. Das neu verstagte Rigg lässt keine Zweifel mehr aufkommen. |
| Indischer Ozean 13. Dez. 2003 |
Die erste Woche liegt hinter uns. Ebenso schreiben wir heute die Tausendste Meile im Logbuch. Mehr und mehr werden uns die extremen Wetterbedingungen vertraut, und wir versuchen vorwegzunehmen, was uns die nächsten Stunden bringen werden. Das Gefühl das nach einem gelungenen Zug aufkommt, vergleicht sich mit dem nach einem Befreiungszug beim Schachspiel. Etwa so hart trifft es einem, wenn der Gegenspieler in unserem Fall das Wetter noch etwas draufsetzt, und uns alt aussehen lässt.... womit dann Unsere derzeitige Position 40°09` Süd 31°40`Ost |
| In den Weiten des süd-indischen Ozean 20. Dez. 2003 |
In unserem Logbuch Schreiben wir 41° Süd 53° West Die See zeigt sich von der besten Seite. In einer Woche erreichen wir die Kerguelen. Es bleibt uns ein angenehmer Rückblich auf die zurückliegenden ersten zwei Wochen, unterwegs von Kapstadt nach Tasmanien. Mit dem Risiko, dass wir auch in den schwachwindigen Kernbereich der nördlich von uns ziehenden Hochs geraten können, die am Fuss von Südafrika unter dem "Kap der Guten Hoffnung" die Tiefs weit in den Süden drängen. Nun folgt uns ein starkes Hoch, das uns veranlasst, den Kurs auf südlichere Breiten anzulegen, "direkt Kurs auf die Kerguelen", die auf 49° Süd liegen. |
| Weihnachten 24. Dez. 2003 |
45°50 S Noch drei Tage trennen uns vom Ziel, den Kerguelen. Wie gewohnt sucht sich der Rumpf der BLUE PEARL in "meist" ausgewogener Harmonie den Kurs durch die schroffe weissgekrönte Wasserwelt. Bei zunehmend dreistem Wetter nimmt auch die Spannung zu, und erst wenn die Segelfläche mit dem letzte Reff verkleinert ist, und die Sturmböen uns und die BLUE PEARL beuteln, beginnen wir unsere Gedanken abzuwenden, um die folgenden Stunden in einer gewissen Trägheit, die nicht alle Details in uns eindringen lässt, zu verbringen. Im Vergleich zu dem Tief über den Falklands, dessen Zentrum mit 954 Hectropascal wir Anfang Jahr in einem Nordweststurm enterten, erleben wir die derzeitigen Tiefstwerte und deren Fronten als unangenehm, jedoch tragbar, da die meisten nur wenige Stunden anhalten. Die kleineren etwas schwerer wirkenden schwarzen Sturmvögel stehen ihnen um nichts nach. |
| Kerguelen "Disaster" 26. Dez. 2003 |
Wir hatten das Nordwestkap der Kerguelen angepeilt, um nicht letztendlich von ungünstigen Winden an unserem Ziel vorbeigetrieben zu werden... Um 18 Uhr sichteten wir mit der "Il. du Rendez-Vous", einem 84 Meter hohen Felsen die erste Landmasse der Kerguelen. Auf dem Radar ist in 6 bis 8 Meilen Entfernung weitere Landmasse auszumachen. Im dichten Dunst und leichtem Nieselregen ist jedoch am düsteren Horizont nichts zu sehen. Mit Kurs Ost und später Südost segelten wir mit 30 Knoten Wind und 7 Knoten Fahrt, durch die Nacht in Richtung Cap Cotter. Wie oft in Landnähe, und kurz vor dem Landfall verzichtet die Freiwache auf Schlaf und Koje, da Segelmanöver auszuführen waren, und der Schlaf mit dem Erreichen des Ziels zur Genüge nachgeholt werden kann. Ein Blick auf die Seiten des Logbuches bestätigen, dass die letzten drei Tage geschlossene Bewölkung, Dunst und Regenfronten vorherrschten. Das Problem mit dem verunreinigten Diesel liess sich in diesen Tagen in einem nicht erwarteten Ausmass erkennen. Den Haupttank hatte ich nach dem Erreichen von Kapstadt leergepumpt, und Wasser und Schlamm entsorgt. Darauf füllte ich diesen mit einwandfreiem Treibstoff aus zwei Ersatztanks, und war mir sicher, damit das Problem das uns bereits seit Brasilien "Salvador" zu schaffen machte, gelöst zu haben. Ein weiterer leerer Tank mit 250 Liter Fassungsvermögen füllten wir in Kapstadt unmittelbar vor dem Auslaufen in Richtung Kerguelen. Aktuell hat sich im Haupttank neue Alge gebildet, und der einst klare hellrote Diesel, hat sich zu einem trüben unansehnlichen Gemisch verändert. Als dessen Folge muss der Vorfilter mit Wasserabscheider stündlich gereinigt werden, damit sich der Filter nicht ganz durch diesen Schlamm verschliesst. Aus dem zweiten Tank, dessen Diesel wir in Kapstadt gebunkert hatten, wird ausschliesslich Wasser angesogen, das sich auf dem Grund des Tankes in grosser Menge gesammelt haben muss, womit dieser Treibstoffvorrat ganz ausfällt. Nachdem schon die Hauptleitung verstopft war, ist nun auch die Zuleitung zur Heizung nicht mehr frei, womit wir im ungeheizten innern mit Temperaturen von zum Teil unter zehn Grad vorlieb nehmen müssen. Da die Luft nicht mehr getrocknet werden kann, und wir ständig neue Feuchtigkeit in das innere des Schiffes tragen, hat sich dieses zwischenzeitlich zur Tropfsteinhöhle gemausert, wo die Luken tropfen, und sich auf dem Boden im Bereich der unisolierten Bilge, Lachen bilden. In wenigen Tagen haben sich die Gegebenheiten von sommerlichen Temperaturen in arktische Verhältnisse gewandelt. Wasser und Lufttemperaturen werden zu dieser Jahreszeit mit + 6° angegeben. Nach unserer Ankunft wollten wir diesem Missstand mit einer Dieselzufuhr aus Kanistern direkt zur Heizung "mit reinem Brennstoff" entgegenwirken. |
| 27. Dez. 2003 | An Samstag morgen erreichten wir die Ostküste, wo wir uns mit guten Bedingungen in schneller Fahrt dem Ziel näherten. Um vier Uhr kreuzten wir Pointe Suzanne, und waren unmittelbar vor der Einfahrt in die "Baie du Morbihan". Da wir 3 Knoten Strom in Richtung NO ausmachten, und 30 Knoten Wind aus West unsere Fahrt inzwischen unter Motor bis auf 1,5 Knoten reduzierte, waren wir gezwungen, von unserem Vorhaben, die 15 Seemeilen tiefe Bucht zu entern abzulassen. In der Folge liefen wir das Wetter das sich schnell zum Sturm entwickelt hatte in NNO Richtung, in der Gegenrichtung, in der wir gekommen waren, ab. An der flachen Ostküste war kein Stelle die uns Schutz bieten konnte, auszumachen. An Land hatte sich inzwischen ein Sandsturm entwickelt, der sich auf Distanz wie gelber Dunst ausmachte, und dessen Fracht uns selbst auf der BLUE PEARL erreichte. Wir durchquerten auf acht bis zehn Meter Wassertiefe unbehindert riesige Kelp- Felder, die alle wie auch wir in Windrichtung trieben, und die den Schwell spürbar eindämmten. Um halb acht Uhr nahm der Wind kurzfristig ab, und wir versuchten "ohne Erfolg" unter Motor die Landabdeckung zu erreichen. In der Nacht segelten wir weiter mit 35 bis 40 Knoten Wind in Richtung Norden. |
| 28. Dez. 2003 | Am Sonntag war ein Zwischenhoch angesagt, ein Keil der sich zwischen zwei Tiefs drängte, und kurzfristig für Entspannung sorgte. Eine Möglichkeit unser Ziel, das nun bereits 120 sm hinter uns im Süden liegt, vor dem nächsten Tief zu erreichen? Falls nicht, würden wir uns dem folgenden Tief, das wie auf dem Wetterfaxbild zu sehen war, mit einem Tiefstwert von 956 Hectopascal auf die Kerguelen zuhielt ungeschützt stellen müssen. Einem Bericht über die Kerguelen konnten wir entnehmen, dass jeden Monat im Jahr Stürme mit Windgeschwindigkeiten von über 100kmh auftreten können. Entgegen unserer Meldung im letzten Bericht, wo ich die Tiefs als eher zahnlos beschrieb, bringen die uns folgenden Wetterverhältnisse diese Möglichkeit mit sich, was uns bewog, unseren Kurs beizubehalten, und die etwa 500 sm vor uns im Norden liegende Insel St. Paul anzulaufen. Wir hatten den Umweg von über 800 sm zu den Kerguelen auf uns genommen, und wurden an deren Pforte abgewiesen... |
| 29. Dez. 2003 | Die Wetterbilder am Montag zeigten, dass sich das Hoch stabilisiert, und das folgende Tief sich entgegen der langfristigen Prognosen in seinem Kern geteilt und aufgefüllt hatte. Eine Rückkehr am Sonntag, und die sichere Ankunft am Montag wären möglich gewesen. Dennoch freuen uns, dass wir uns den Breiten nähern, wo die Hochs ihren spürbaren Einfluss zur Geltung bringen, die Luken geöffnet, und die BLUE PEARL getrocknet werden kann........ |
| St.
Paul 01. Jan. 2004 |
Seit wir die
Kerguelen vor 5 Tagen hinter uns gelassen haben, sind auch die Wetterverhältnisse
mit jedem Grad nördlicher Breite freundlicher geworden. Zudem sind St. Paul zusammen mit der 90 km entfernten Nachbarinsel "Amsterdam" die
abgelegensten Inseln der Welt. Nachdem wir ein grosses Kelpfeld gequert haben, ziehen wir es vor, die
erste Nacht ausserhalb des Vulkans auf einer kelpfreien Stelle auf 11
Meter Tiefe zu ankern. |
| St.
Paul (Robben Insel) 02. Jan. 2004 |
Wer Anita kennt
weiss, dass die Arbeit vor dem Vergnügen kommt. So war denn heute
am Tag nach unserer Ankunft Waschtag. Eine Spritztour mit dem Beiboot
in den nahen Krater bringt uns den Grund für die schauerlichen Schreie
und Geräusche der letzten Nacht vor Augen. |
| 03.
Jan. 2004 |
Wir entern
den Vulkankrater Der Wind hatte in der Nacht im Zentrum eines Hochs mit 1025 Hectopascal von West auf Nordost gewechselt. Die Bewölkung hatte sich in den frühen Morgenstunden ganz aufgelöst. Die günstigen Windverhältnisse erlauben uns, mit dem Dingi die weitere Umgebung zu erkunden. In nordöstlicher Richtung hatten wir einige interessante Felsformationen ausgemacht, die wir bei diesen Verhältnissen gefahrlos aufsuchen können. (Bei einem Motorendefekt wäre es nicht möglich das Beiboot gegen den Wind zur BLUE PEARL zurückzurudern.) Die Felshänge aus rotbraunem Vulkangestein mit vielen Vertiefungen und Höhlen vermitteln einen urtümlichen Eindruck. Das Wasser hat mit der Sonneneinstrahlung eine tiefblaue Farbe angenommen. Rund um uns tummeln sich viele Robben. Selbstvergessen drehen sie sich im starken Schwell der Ufernähe im Kreis und um die eigene Achse. Werden sie durch uns gestört, verschwinden sie in Sekunden mit einer Eleganz und Geschwindigkeit in tiefes Wasser, wie man es den schweren, am Land trägen Tieren kaum zumuten würde. Unterhalb der Felswände sind die mit Steinen gesäumten Ufer besetzt mit Robbenkolonien. In den Nischen der zum Teil überhängenden Steilwänden haben sich Seeschwalben eingenistet. Über den Felsformationen segeln Albatrosse. Trotz der ewigen Brandung, und der nie verstummenden Geräusche der vielfältigen Tierwelt vermittelt dieser Ort im Licht der Morgensonne unangetastete Ruhe und Harmonie. Zurück beim Schiff wird es Zeit, mit dem Tidenhoch in das innere des Vulkans zu gelangen. Zwei Albatrosse, die seit unserer Ankunft nicht von der Seite der BLUE PEARL gewichen sind, bleiben zurück. Problemlos durchfahren wir die Untiefen der Passage und ankern im Krater auf 24 Meter Tiefe. Der allseitig bestens geschützte Ankerplatz lässt keine Wünsche offen. Kaum ein Kräuseln bewegt die Wasseroberfläche. Auch bei viel Wind ist kein Schwell zu erwarten. Am Nachmittag übersetzen wir an Land, um ausgerüstet mit Foto und Filmkamera das Geschehen rund um die vielfältige Tierwelt zu dokumentieren. Die französische Station ist wie schon am Vortag belagert von Robben, so dass wir uns vornehmen, diese später zu inspizieren. Während die meisten älteren Tiere in der Sonne dösen, finden wir den Nachwuchs wie schon am Vortag im untiefen Wasser platschend, und von Bullen bewacht. Beim besteigen des Vulkanhanges treffen wir auf viele weitere Robben, die sich auf den von der Vegetation kahlgeschürften Stellen sonnen. Grosse Pinguinkolonien leben im Schutz des hohen Grases, das mit mächtigen unserem Katzenschwanz ähnlichen Stöcken durchsetzt ist. Auch in den hohen Regionen die teilweise aus grossen Geröllfeldern ohne Vegetation bestehen, sind "Northern Rockhopper" Pinguinkolonien angesiedelt. Deren Jungtiere haben bereits die Grösse der Eltern erreicht, und hocken zum Teil pudelfeiss, mit bis zum doppelten Gewicht ihrer schlanken Eltern in Gruppen zusammen, und warten auf die nächste Fütterung. Die letzten von ihnen verlieren zurzeit ihren Flaum. Danach sind sie ausser ihrer Körperfülle aber auch weiter an ihrem grauen Federkleid zu erkennen. Am nächsten Tag besuchen wir die Station, die unverschlossen, allen möglichen Gästen offen steht. Auf unser stetiges Nachrücken hin, verlassen auch die letzten Robben ihren warmen Platz auf den besonnten Steinplatten vor den Eingängen, und lassen uns passieren. Der Hauptraum dient zugleich als Küche und Essraum für ein halbes Dutzend Personen. Auf dem Tisch liegt ein Gästebuch, in dem wir uns auch als Gäste eingetragen haben. Weitere Eintragungen aus den Jahren 02 und 03 sind ausschliesslich in französisch. Aufgrund der Eintragungen vermuten wir, dass die Insel regelmässig von Forschern der grösseren Station der 90 km entfernten Insel Amsterdam besucht wird. Links ist ein bis auf ein paar Konserven und Flaschen leerer Vorratsraum angegliedert. Eine leere Gefriertruhe weist darauf hin, dass die Räume oft auch intensiver genutzt werden, wobei elektrischer Strom mit einem Generator erzeugt wird...... Rechts ist ein Werkraum mit ein paar Überbleibsel und alten Geräten. Eine Türe weiter findet sich ein Schlafraum mit sechs Schlafstellen. In einer Ecke die Dusche, jedoch ohne sanitäre Installation. Womöglich wird ein Kübel gefüllt mit Wasser und Seil zum ziehen, an den Dachsparren gehängt..... Einige Steinruinen und Fundamente zeugen von einer belebten Vergangenheit in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Zwei grosse Stahlzylinder die wir nicht mit Sicherheit einer Verwendung zuordnen können, lassen die Vermutung offen, dass hier einst Robben oder Wale verarbeitet wurden........ Bis auf einige weitere Eisenkonstruktionen, sind alle Altlasten sauber entsorgt. |
| 15.
Jan. 2004 Im Zentrum des Hochs. |
Seit wir am 6.
Januar den Krater von St. Paul mit Kurs SE verlassen haben, sind wir
nun schon wieder mehr als eine Woche unterwegs. So kämpften wir darum, auch einige Grade in den Osten gut zu machen. Mit Gegenkurs Nordost versuchten wir den Schaden in Grenzen zu halten. Heute erleben wir eine der wenigen Ausnahmen. Während dem Wechsel
der Freiwache um drei Uhr wurde es erforderlich, die Genua auszubaumen,
um direkt Kurs vor dem Wind zu segeln. |
| BLUE
PEARL 20. Januar 2004 |
Im Süden
von Australien Mit 115° Ost haben wir die Länge von Australiens Westküste erreicht. Dennoch trennen uns etwa zehn Tage (1400 sm.) von unserem Ziel Tasmanien. Nachdem wir uns durch schwachwindige Hochs gemogelt hatten, wurden die letzten Tage von einem überraschend stationären Tief geprägt. Mit bis sechzig Knoten Wind in Sturmstärke, segelten wir zwei Tage in einer Front, die kaum enden wollte. Dazu verläuft hier die starke Strömung mit 1,5 bis 2,5 Knoten in Richtung Süd bis Südwest, also quer zu unserem Kurs. Wir können beobachten, wie nebst den brechenden Wellen, viele Wellenkämme von der sich kollidierenden Energie in Form von weissem Schwell angehoben, und wie dieser vom Wind erfasst und davongetragen wird. Nach einer zwischenzeitlichen Beruhigung durchquerten wir letzte Nacht eine nachziehende Front. Die Verhältnisse von Wind, Wellen und Strömung waren derart prekär, dass es uns bis zum frühen Morgen nicht möglich war, die BLUE PEARL entsprechend zu trimmen. Trotz aller Anstrengung mussten unstabiler Kurs, killende Segel und Vibrationen hingenommen werden. Unverhofft wie es zu dieser Situation kam, normalisierten sich die Verhältnisse gegen Morgen wieder. Anita führte die erste Hälfte der Nachtwache, ähnlich wie die brodelnde See, war sie nach diesem Effort aufgebracht, und wünschte die Roaring Forties zum Teufel. Im Gegensatz dazu amüsierte sie sich am Vorabend blendend, als ich mir eigenhändig eine Tasse Kaffee auf den Kopf schüttete. Wie anzunehmen ist, war das keine absichtliche Einlage zur Freude meiner Angetrauten..... Ich befand mich mit einer Tasse frisch gebrautem Kaffee und einem Stück Schokoladenkuchen auf dem Weg von der Pantry zum Salon. Da meine Hände besetzt waren, versuchte ich mit Ellbogen und Knien den Kontakt zu den angrenzenden Einbauten zu halten. Die letzten anderthalb Meter führten durch freien Raum zu meinem Platz auf der Sitzgruppe. Wie ich das schon oft gemacht hatte, bewegte ich mich harmonisch mit der Dünung in den freien Raum, setzte zu einem halben Axel an, um mich dann in die Polster fallen zu lassen, die Tasse auf dem Weg zum Mund, um allenfalls überschwappenden Kaffe in die rechten Wege zu leiten. Allerdings, so weit kam es nicht....... in Gedanken bereits auf die Landung konzentriert, barst im selben Moment ein Monster von Welle am Rumpf der BLUE PEARL, was mich im Bruchteil einer Sekunde rückwärts durch den Salon katapultierte. Schon bevor ich mit dem Rücken in eine Türeinfassung prallte, brachte der Rückwärtsdrall den Kaffee in Schwung. Sauber, wie es normal nur mit Jauchesprenger möglich ist, verteilte sich der Kaffee in die Atmosphäre. Dass mit der Schwerkraft ein grosser Teil des Kaffees den Weg auf meinen Kopf fand, schien purer Zufall zu sein. Von Kaffee triefend, war mein erster Reflex, die Tasse, die ich noch immer in der Hand hatte, auszutrinken. Da diese schon leer war, hinderte mich nichts mehr daran, mich meiner Wut hinzugeben. Der Kuchen, der Schuld trug, dass ich mich nicht anständig halten konnte, landete als Geschoss auf der Sitzgruppe. Dieser bewährte sich mit diesem Umstand, nebst der langen Haltbarkeit, auch noch als sauber und unzerstörbar. Dass Anita, die Zeuge des Geschehens wurde, mir in Schreikrämpfen die ganze Haushaltpapierrolle reichte, bestätigt, dass ich furchtbar ausgesehen haben musste, ...oder war es ein weiterer Beweis für ihre unfehlbaren Reflexe....... Am 21. Januar hatten wir seit langem wieder Wale gesichtet. Bei hohem
Seegang und trübem Wetter reduziert sich der Beobachtungsradius auf
die unmittelbare Nähe der BLUE PEARL. |
| BLUE
PEARL 27. Januar 2004 |
Ankunft
in Tasmanien
In der Nacht zum 31. Januar querten wir die Tasmanien vorgelagerten
Inseln Hunter Island und Three Hummock Island. In dieser Nacht war der
Wind eingeschlafen, und mit der ablaufenden Tide machten wir unter Motor
kaum noch vier Knoten Fahrt. Seit dem Morgen ist auch wieder 15 Knoten Westwind aufgekommen. Unter
blauem Himmel, auflaufender Tide, und beinahe ohne Schwell näherten
wir uns gegen Abend in flotter Fahrt unserem Ziel Burnie. Mit Burnie wählten wir einen Hafen, der schon seit langer Zeit
nicht mehr von einer einzuklarierenden Jacht angelaufen wurde. So war
es für die Beamten Ermessenssache, In der Folge entsprach alle mitgeführte Ware den Einfuhrbestimmungen,
und wenn auch viele Formulare ausgestellt werden mussten, waren die Beamten "von
Quarantäne Zoll und Immigration" an unserem Trip interessiert. Wiederholt musste Lynn von der Immigration, Patrick vom Zoll auffordern,
sich mit seinen Fragen, und interessanten Informationen etwas zurückzuhalten,
um nicht vom wesentlichen abzulenken. Abschliessend wurde auch auf der
BLUE PEARL nach Spuren von Drogen gesucht. In den folgenden Tagen erkundeten wir Burnie, eine Stadt die mit 25000
Einwohner auf uns verkehrsarm und ruhig wirkte. Nebst verschiedener Vorkommen von Bodenschätzen, spielt der Forstbau
in Tasmanien eine wichtige Rolle. Das geschlagene Holz wird zu Schnitzel
zerkleinert und zur Papierverarbeitung vor allem nach Japan exportiert.
Dabei gilt der Hafen von Burnie als Umschlagplatz. Tasmanien verfügt über viele hundert Meilen Sandstrände.
Die meisten jedoch abgelegen, und von der nächsten Besiedlung weit
entfernt. Überhaupt scheint hier in Burnie die See kaum wahrgenommen
zu werden, trotz dem eigenen kleinen Sandstrand, der einen Teil der Küste
vor der Stadt ziert, findet sich hier selbst im Sommer, und am Sonntag
kaum jemand. Am Rande ist zu erwähnen, dass wir in Kapstadt 700 Liter Wasser
gebunkert hatten, und unterwegs nebst dem Trinkwasser, das wir mit dem
Wassermacher produzieren, 300 Liter in den Tank produziert hatten. |
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