BLUE PEARL
5. Juli 2004

Die BLUE PEARL schwimmt wieder.

Nachdem wir am 29. Juni in der Mündung des Burnett Rivers eingetroffen waren, setzten wir uns vor der Bundaberg Port Marina vor Anker.
In der Marina erkundeten wir uns nach einem möglichen Termin und dem Preis, um die BLUE PEARL auf Slip zu nehmen.
Wir wollten den Schaden am Kiel, den wir uns an Tasmaniens wilder Küste eingehandelt hatten, reparieren, den überarbeiteten Propeller montieren, und die jährlich anfallenden Arbeiten am Unterwasserbereich ausführen.
Die Port Marina in Bundaberg, die ihren Betrieb erst vor zwei Jahren aufgenommen hatte, erwies sich als günstig und hatte genügend Kapazität, so dass wir am nächsten Morgen bereits auf dem Trockenen standen.
Die Reparatur am Kiel war nach einem Tag abgeschlossen und die abgetragenen Wellenlager ersetzt.
Am Sonntagabend war auch das neue Antifouling aufgetragen, und die Jacht bereit zum Einwassern.

Dieser Stop durfte mit Vorbehalt als positiv gewertet werden.
Beim Auswassern behält sich die Marinaführung in den meisten Fällen vor, den Unterwasserbereich der Jachten mit eigenem Personal zu reinigen.
In unserem Fall wurde dafür ein Wasserhochdruckgerät mit Fräseraufsatz verwendet.
Damit wurde nebst dem Bewuchs, auch feine Partikel der dreischichtigen Rumpfgrundierung, zum Teil bis zum Aluminium abgetragen, so dass aufwendige Instandstellungsarbeiten anfielen.
Dieser Schaden, den das Personal als "normal" taxierte, konnte auch an weiteren Rümpfen der auf dem Platz stehenden Jachten festgestellt werden.
Unsere Reklamation führte dazu, dass die nächste Jacht am Montag morgen nicht derart traktiert, und mit einem schonenden Aufsatz mit flachem Wasserstrahl gewaschen wurde.
Am Sonntag bot sich uns die Möglichkeit, mit einem von der Marina organisierten Bus zum Wochenmarkt in die Stadt zu fahren.
Bezüglich unserer Frischprodukte waren wir ziemlich ausgeschossen, und weil diese hier extrem günstig waren, kauften wir ein, als ob es in den Bunker ginge.......

Am Dienstag machten wir uns bei hoher Tide auf den Weg nach Bundaberg.
Nebst dem Strom, der uns mit zwei Knoten vorwärts schob, zeigte auch der überarbeitete Propeller mit spürbar mehr Speed seine Wirkung.......


 
BLUE PEARL
Dienstag 6. Juli 2004

Bundaberg Town

Wir hatten die Fahrt im Untiefen, jedoch gut markierten Fluss schadlos überstanden.
Hier vor Bundaberg weitete sich der Burnett River, und die Tiefe nahm zu.
Schon bald trafen wir auf die ersten am Anker liegenden Jachten. Unmittelbar vor der Stadt waren zwei reihen Bojen ausgebracht, diese boten uns die Möglichkeit, die BLUE PEARL an Bug und Heck festzumachen, so dass das Schiff auch bei Tidenbruch nicht unkontrolliert im River schwojen konnte.
Zum Preis von nur 15 Dollar für diese eine Nacht, konnten wir mit dem Beiboot am Steg der Midtown Marina anlegen und die Duschen benutzen.

Noch immer ist unser Interesse an jeder Art von Jachten ungebrochen.
So fanden wir bei unserem Besuch am Steg schnell Kontakt zu den hier liegenden Jachteignern.
Viele von ihnen haben Bundaberg als letzten Hafen für ihre Reise gewählt, womit der Ausdruck "gestrandete Jachties" nicht ganz unangebracht ist......
Beim wöchentlichen Treff, der an diesem Dienstagabend wieder fällig war, fanden sich dann über zwanzig Langzeitlieger, "die meisten Imigranten aus der ganzen Welt" zum Nachtessen im Hotel ein.
Dabei wurden wir überhäuft mit Informationen bezüglich der Küste und möglicher Ankerplätze, auf unserer Route in den Norden.
Wir erfuhren vieles über die Schicksale dieser Leute, die zum Teil weit über siebzig Lenze zählen.

Dieter erzählte mir dass seine Frau Joana an Alzheimer im frühen Stadion leidet, womit das Schicksal unerbittlich seinen Tribut fordert......
Von unserer Reise inspiriert, erwachte in "Dick" etwas von seinem alten Unternehmungsgeist, während Joana die Konzentration nicht aufbrachte, sich aktiv am Gespräch zu beteiligen.
Edith und Wolf die deutscher Herkunft sind, hatten ihre Jacht vor fünfundzwanzig Jahren in Brisbane gebaut, und sich nordwärts auf den Weg gemacht.
In Bundaberg hatte Wolf einen Herzanfall. Darauf plagten Edith Nierensteine, die entfernt werden mussten, und seither sind sie regelmässige "Gastlieger" im Spital von Bundaberg.
Ihre Lebensfreude scheint ungebrochen. Edith in ihrer resoluten Art, gekontert von Wolfs trockenem Humor......

Da viele unserer neuen Freunde ihren eigenen Aufbruch seit Jahren aufgeschoben haben, waren sie von unserer Absicht, bereits am nächsten Morgen wieder abzulegen, überrascht.

Hier scheinen sich Welten getroffen zu haben.
Während durch unsere Anwesenheit da und dort neuer Unternehmungsgeist geweckt wurde, wird es mir einmal mehr bewusst, wie flüchtig "Zeit" ist.
Wie schnell wir uns mit jedem Tag dem Hafen nähern, wo wir zum letzen Mal ablegen werden.......

 
BLUE PEARL
Donnerstag 8. Juli 2004

Lady Musgrave Island

Kurz nach Mittag tasteten wir uns durch die schmale Einfahrt ins Innere des Lady Musgrave Riffs, eines der wenigen befahrbaren Riffe, im "Great Barrier Reef".
Wir hatten den Ankerplatz vor der Port Marina in Bundaberg, wo wir die letzte Nacht gelegen hatten, bereits kurz nach vier Uhr morgens verlassen. Durch die mit Lichtern markierte Ausfahrt erreichten wir noch vor Sonnenaufgang die Hervey Bay, wo wir Kurs auf unser Ziel anlegen konnten.

Aus den bis fünfundzwanzig Knoten achterlichem Wind aus Süd bis Südwest, resultierten zum Teil über acht Knoten Fahrt, womit sich unser Törnplan zeitlich unterbieten liess.
Zur Mittagszeit stellte die Einfahrt in das Riff keine besonderen Ansprüche, und auch die Korallenbänke im Inneren des Riffs waren Dank der hochstehenden Sonne gut auszumachen.
Der weisse Sand, der an der untiefen "Coral Coast" allpräsent ist, hält die Farbe des Wassers in tiefem Blau, das mit abnehmender Tiefe zunehmend heller wirkt.
Beim Ausbringen des Ankers in sechs Meter Wassertiefe konnten wir im klaren Wasser beobachten, wie sich dieser in den Sand grub.

Von Südost bis Südwest brach auf der untiefen Korallenbank die das Riff einfasst, der Schwell mit lautem Tosen. Hier im Inneren des Riffs, sowie in dessen Lee, war es jedoch angenehm ruhig, so dass wir uns just entschlossen, die nahegelegene Insel zu erkunden.
Die hohe Tide machte es möglich, das der Insel vorgelagerte Riff mit dem Beiboot zu überqueren, um an deren Nordostecke anzulanden.
Die nur wenige Meter hohe Insel war bis auf den Küstenstreifen mit üppiger Vegetation bedeckt.

Der weisse Strand zeigte an der Landestelle deutlich, dass die Existenz der Insel auf die Anhäufung von abgestorbenen Korallen und Millionen von Muscheln jeder Art und Grösse zurückzuführen ist.
Das Waten durch das seichte Wasser, sowie das Gehen im tiefen feinen Sand liess Ferienstimmung aufkommen. Weiss ragten die Äste eines gefallenen Baumes, der schon seit ewigen Zeiten auf dem Strand zu liegen schien, zum Himmel. In der Ferne mischte sich das tiefe Blau der See, mit dem unbewölkten Horizont.
Robinson-Stimmung wollte dennoch nicht aufkommen, da auch diese Idylle von der Zivilisation nicht verschont bleibt.
Im Riff hatten sich drei Touristenschiffe eingefunden, die täglich mit ihren Gästen dieses Riff besuchen. Zudem ist auf einer Lichtung am Strand der Nordküste ein kleiner Zeltplatz angelegt.

Ausser der BLUE PEARL ankerten zwei weitere Segel- und eine Motorjacht im Innern des Riffs.
Berücksichtigt man die weitreichende Popularität der Insel, darf bestätigt werden, dass hier mit diesen Ressourcen schonend und verantwortungsbewusst umgegangen wird.
In der Nacht nahmen Wind und Schwell zu. Diese hielten auch den nächsten Tag, und die folgende Nacht an, was uns bewog, an das Festland überzusetzen.

 
BLUE PEARL
Samstag 10. Juli 2004

Pancake Creek

Da nur vierzig Seemeilen vor uns lagen, reichte es, dass wir unseren Aufbruch auf den späten Vormittag festlegten.
Die bewegte Wasseroberfläche, und das Gegenlicht, liessen nur erahnen, wo Hindernisse vor uns lagen.
Wir erinnerten uns an die Stellen mit den Korallenbänken, und passierten das Riff schadlos.
Mit halbem Wind und acht Knoten Fahrt enterten wir fünf Stunden später den Pancake Creek.
Die untiefe Passage in den River war gut markiert, was sich ein Fischadler-Paar zunutze machte, indem sie auf eine der Steuerbordmarkierungen ihren Horst gebaut haben.
Auf der Markierung gegenüber sass einer der Adler, und beobachtete in aller Ruhe unsere Durchfahrt.

Im Innern des durch grosse Sandbänke gesäumten Creeks, die bei niedriger Tide um Meter aus dem Wasser ragen, lagen bereits ein Dutzend Jachten in Positionen, die auch bei Ebbe eine akzeptable Mindestwassertiefe boten.
Beim Ausbringen des Ankers wurden wir davon überrascht, dass sich unser Bügelanker nicht in den sehr harten Lehmgrund eingraben wollte.
Erst der dritte Versuch führte zum gewünschten Erfolg.
Wir mussten jedoch feststellen, dass die Position des Ankers unserer Nachbarjacht nicht wie vermutet in dessen Front lag. Durch den Tidenstrom hatte das Schiff eine unübliche Position eingenommen, so dass sich die BLUE PEARL nach Abschluss des Ankermanövers unerwartet an dessen Seite gesellte.

Mit dem fünften Versuch erzielten wir das gewünschte Resultat, und lagen nun sicher für die Nacht, mit dem Gefühl wie Greenhörner vorgeführt worden zu sein.
Von diesem Ungemach distanzierten wir uns spätestens am nächsten Morgen, als wir unser Schiff bereits um halb sieben, als zweite Jacht aus dem Ankerfeld steuerten.

 
BLUE PEARL
Sonntag 11. Juli 2004

Cape Capricorn - Hummocky Island

Von leichtem Rückenwind getrieben, segelten wir gemächlich mit ausgebaumter Genua nordwärts.
Nach einiger Zeit hatte auch die Crew in Front ihre Jacht auf Schmetterlingskurs gebracht.
Doch es machte den Anschein, dass deren Schiff auf diesem Kurs nicht zufriedenstellend lief, und die Mannschaft das Kreuzen vor dem Wind bevorzugte.
Auch die hinter uns gestarteten Jachten kämpften mit killenden Segeln, und verloren sich gegen Mittag im fernen Dunst des Horizontes in unserem Lee, womit unser vom Vorabend gebeuteltes Ego fürs erste wieder Auftrieb erhielt.
Um drei Uhr erreichten wir Cape Capricorn, das gegen Südwest durch die Küste, und nach Südost durch eine Landzunge geschützt ist.

Vor Anker liegend mussten wir jedoch eine rollende Dünnung feststellen.
Auf meine Intervention hin ankerten wir wieder auf, und machten uns auf den Weg zur etwa sieben Seemeilen entfernten Hummocky Island.
Ich war davon ausgegangen, dass in der nach Norden offenen Bucht weniger Schwell ansteht...... doch als wir die Insel eine Stunde später rundeten, stand es in der Bucht um nichts besser.
Am nächsten morgen war die See flach und die Bucht so ruhig, wie wir es uns am Vorabend gewünscht hatten.
Zwanzig Meilen vor uns lag mit Great Keppel Island unser nächstes Ziel.

 
BLUE PEARL
Montag 12. Juli 2004

Gr. Keppel Island


Nach mehr als zweistündigem Tümpeln in der allgegenwärtigen Flaute, die uns kaum über zwei Knoten Fahrt brachte, starteten wir den Motor, um mit unserem Seewasser-Entsalzungsgerät den Trinkwasservorrat zu ergänzen und die Batterien zu laden.
Mit nun über fünf Knoten Speed brachte ich die Schleppleine aus, mit der Hoffnung, eine Fischmahlzeit auf den Teller zu kriegen.
Die letzten Tage waren wir diesbezüglich stets erfolglos, ich konnte mich noch nicht dazu entschliessen, mich an einem Rifffisch zu vergehen........, zudem fehlt es uns für diese Jagd an entsprechendem Gerät, das allerdings hier an jeder Ecke angeboten wird.
Wir hatten die BLUE PEARL an der Westküste von Great Keppel Island geankert.
Vor uns lag ein Resort mit Hotels und Bungalows, an dessen Strand nur einzelne Badegäste auszumachen waren.

Nach unserem Besuch der Anlage, wo selbst eine Landepiste nicht fehlte, machten wir uns daran unsere nächste Unterwasserumgebung zu erkunden.
Wir hatten in der Nähe eines Riffs geankert, wo wir nun dessen Bewohner bewundern konnten.
Die im weissen Sand versteckten Mantas die aufmerksam aus dem Sand äugten , ergriffen jeweils im letzten Augenblick die Flucht.
Die grossen etwas behäbigeren Riffbarsche hatten ihr Quartier am Fuss grosser runder Korallengewächse.
Durch meinen Besuch in ihrem Versteck, setzte die ganze Sippe zum nächsten Wohnquartier über, und mischte sich mit der dortigen Bevölkerung. Nachdem wir uns entfernten, kehrten sie jedoch an ihren angestammten Platz zurück.
Während sich die freundlich wirkenden Kugelfische eiligst davon machten, suchten einzelne zierliche blaue Fische unseren Kontakt, indem sie uns stets ausser Reichweite umschwammen.
Farben und Formen, sowie das Leben im Riff, können nicht annähernd der Realität entsprechend umschrieben werden....... Es wird wohl immer beim Versuch bleiben, einen Ausschnitt des Erlebten auf diese Art wiederzugeben.....

 
BLUE PEARL
Samstag 24. Juli 2004

Mackay

Die Keppel Islands liegen nun schon um Meilen, und einige Zeit zurück....
Wir hatten uns für die Nacht in die Svendsen`s Beach verholt, um dort vom Südostwind besser geschützt, und entsprechend ruhig zu liegen.
Die nächsten zwei Tage verbrachten wir in der Keppel Bay Marina.
Am Nachmittag des 14. Juli verliessen wir die Marina, voll gebunkert und wieder ready für die Inseln.
In der Ausfahrt zeigte uns das Echolot die Tiefe von 1.5 Meter, das bedeutete, dass es für die BLUE PEARL mit 1.8 Meter nun wirklich knapp wurde.
Anita wies mich an, in die Mitte der Ausfahrt zu fahren....doch wir waren in der Mitte....

(Die Tiefe der Ausfahrt war mit 1.8 Meter in der Karte eingetragen ..das Tidentief an diesem Nachmittag einen Meter über dem niedrigsten Level...... was eine Durchfahrtstiefe von 2.8 Meter ergibt.)
Anscheinend hat sich in der Einfahrt eine Sandbank gebildet, so dass diese nun bei tiefstem Tidenstand für Segeljachten unbefahrbar ist....
Für uns hatte es gereicht... möglicherweise um die vielgewünschte Handbreite...

ir verbrachten eine zweite Nacht in einer Bucht von Keppel Island.
Der nächste Ankerplatz war Port Clinton (eine Flussmündung), wo wir sehr ruhig lagen.
In der traumhaften Pearl Bay blieben wir zwei Tage.
Anita schrieb dazu ins Logbuch ........Wunderschöne Bay oft sieht man Turtles (grosse Wasserschildkröten) und Dugong's (sehen aus wie dicke Delfine mit Piggi - Gesicht) sie grasen auf dem Grund der Bay.
Am Montag dem 19. Juli erreichten wir Hexam Island. Wir trafen die Australier Pieter und Lesley die uns zum Sundowner auf ihre Jacht einluden. Sie hatten die Schweiz vor Jahren mit ihren Kindern von Sargans bis Montreux auf Schusters Rappen durchquert !!!
In einer Bucht von Percy Island liegend, fand nach längerer Erkundung der Insel "zusammen mit Pieter und Lesley" der Sundowner auf der BLUE Pearl statt.
Am Nachmittag des 21. Juli treffen wir in Digby Island ein.
Wir hatten mit 25 Knoten Wind einen tollen Trip, bei Verhältnissen die der BLUE PEARL liegen.
Die Bucht hielt jedoch nicht was das Cruising Handbuch versprach.
der Südostwind fiel ungehindert in die Bucht ein, und das Riff zwischen zwei Inseln, hielt den Schwell aus dieser Richtung nur mässig zurück. Alle Anzeichen versprachen eine unruhige Nacht.

Vor uns lagen Rob und Ruth in ihrer kleinen Jacht, deren Mast weit ins Lee gierte, und das in einem Rythmus, bei den man Sahne schlagen könnte... Später erzählten sie uns, dass sie drei Nächte in der Bucht verbracht hatten.
Ihre Jacht ist zu klein, um sie bei diesen Verhältnissen zu verholen.
In unserem Heck, im Schell einer kleinen Insel, ragte ein Mast bis zur Saling aus dem Wasser.
In der vergangenen Nacht hatte es die Jacht, deren Anker nicht hielt, dort auf die Felsen getrieben.

Der Eigner der sich in die Rettungsinsel retten konnte, wurde per Heli abgeborgen.
In den letzten zwei Wochen sind in dieser Region, "südlich der Whitsundays" vier Jachten gesunken. In den Whitsundays selbst müssen verheerende Zustände herrschen. Dort gesellen sich zu den Fahrtensegler noch einige hundert Charterjachten, deren Skipper zum Teil weder Schulung noch Erfahrung vorzuweisen haben.
Wir verholten uns für die nächsten drei Tage in die 50 Meilen entfernte Mackay Marina.
Seit dem letzten Einkauf waren acht Tage vergangen, dennoch war es für uns nicht zwingend, diesen Hafen anzulaufen.
Die derzeitigen Wetterverhältnisse, und die Tatsache, dass in den Whitsundays alles viel teurer sein wird, sprachen jedoch dafür.

Am Freitag trafen wir im Hafen auf die Schweizer Thomas und Gabi mit ihrem zweijährigen Sohn David, deren Jacht kaum zu übersehen war.
Die Zwanzigmeter Jacht aus Karbon in edelster Ausführung, mit teakbündigen Luken und nicht sichtbar geführten Schotten, musste von uns inspiziert werden.
Daraus ergab sich, dass wir am Samstag zum Sundowner eingeladen wurden. Das Schiff war in Neuseeland ohne Preislimit, nach den Wünschen des Eigners gebaut worden. Eine Segelmaschine, in jeder Beziehung jenseits unserer Verhältnisse.
Nach dem Nachtessen in einem Restaurant in der Hafenanlage, erzählte uns Thomas, dass die Jacht während des Hamilton Race im August von einer neuseeländischen Proficrew übernommen und gesegelt wird.
Einige unter ihnen sind Teilnehmer des American's Cup.
Wir sind als Gäste eingeladen mitzusegeln, was wir uns nicht entgehen lassen werden............

   
 
BLUE PEARL
30. Juli 2004

Ein Schwalbenpaar zu Gast

Heute Morgen haben wir von der Westflanke der Insel Haslewood, zu deren im Norden liegenden Windy Bay gewechselt.
Wir benutzen die kurzen Fahrten hauptsächlich, um unsern Stromhaushalt in Ordnung zu halten.
Am Whithaven Beach, dessen Namen auf den weissen Sand zurückzuführen ist, hatten wir Besuch von der Crew einer Carteryacht.
Ihre Batterien waren völlig entladen, so dass auch der Diesel nicht mehr ansprang.
Mit der Motor-Batterie der BLUE PEARL brachten wir das Vehikel wieder zum Laufen,
deren Motorbatterie mit der Verbraucherbatterie gekoppelt war, was zum Ausfall führte.
Andererseits reicht die Verbraucherbatterie mit 120 A , wovon höchstens zwei Drittel genutzt werden können, nicht für den Tagesbedarf.
Für den Tagesbedarf von ca. 100 A müssen sie den Schiffsdiesel mit kleinem schlechtgesteuertem Alternator mindestens drei Stunden täglich laufen lassen......

Am Motor der BLUE PEARL sind zwei Generatoren mit einer Leistung von 70 und 190 A per Stunde angebaut. Der Windgenerator trägt Wind-und kursbedingt mehr oder weniger zur Deckung bei.
Dennoch läuft unser Diesel bei wenig Wind bis zu einer Stunde täglich.
Das ist darauf zurückzuführen, dass mit konventioneller Regelung die Ladestärke mit zunehmender Laufzeit stark abnimmt.
Mit einem modernen Alternator oder Lichtmaschienensteuerung kann diese bis zum Schluss der Ladung gleichbleibend hoch gehalten werden.....

Nach dem Aufenthalt in der Mackay Marina haben wir für eine Nacht vor einem Resort im Norden von Brampton Island geankert. Danach kamen weitere Ankerplätze „Thomas Island - Goldsmith Island - Keyser Island - Shaw Island..... ich werde in Zukunft nicht mehr alle aufzählen......
Vor Lindeman Island in der Plantation Bay entdeckten wir Gäste an Bord..... nein keine Kakerlaken..... solche haben sich bis heute zu unserem Glück nicht auf der BLUE PEARL eingenistet.... Ein Schwalbenpaar hatte sich unser Schiff als Mobilhome ausgesucht.
Ohne Scheu nahmen sie im schnellen Gleitflug die Abkürzung knapp über unseren Köpfen quer durch das Cockpit. Eine Falte im gestauten Grossegel, gut geschützt durch die Persening, wurde von ihnen zum Nistplatz gewählt.
Sie hatten entschlossen, uns zu vertrauen, und liessen sich aus der Nähe filmen und fotografieren.

Die neue Crew hatte uns auch zu weiteren Ankerplätzen in der Whitehaven Bay begleitet.
Später in der Windy Bay waren sie wieder von Bord, wahrscheinlich war unser wiederholter Platzwechsel nicht nach ihrem Geschmack.
Nun war unser Grossegel wieder frei für den nächsten Einsatz.
Am Sonntagmorgen trafen wir im Macona Inlet ein, wenige Stunden später enterte eine weitere Schweizerjacht, die „ORIS“ den Inlet.
Rolf und Leni die Eigner der ORIS sind seit zehn Jahren unterwegs, sie hatten die letzten vier Jahre in Neuseeland - Neukaledonien - der Südsee und hier in Australien verbracht.
Mitten in der Bucht lag auch die SYDNEY SUNDANCER vor Anker.
Ihr Beiboot, das mein Interesse weckte, hatte die Grösse eines kleinen Motorbootes. Durch die diesbezügliche Recherche machte ich mich mit Lynne und John bekannt.
Sie befahren das Great Barrier Reef seit Jahren mit Chartergästen, und hatten diesbezüglich Pionierarbeit geleistet. Daraus resultiert das Recht, sich unbegrenzt im Barrier Reef zu bewegen, während neue Lizenzen mit örtlichen Begrenzungen und vielen weiteren Auflagen verbunden sind.

Da sie derzeit ohne Gäste unterwegs waren, wurden wir und die Crew der zweiten Schweizeryacht spontan zum Sundowner eingeladen.
Wir hatten uns unsererseits schon mit Leni und Rolf verabredet, so enterten wir, als die Sonne den Horizont erreichte zu viert die SYDNEY SUNDANCER.
Dieser Abend bedeutete eine spürbare Wende für unseren Aufenthalt in den Whitsundays.
Unsere aufmerksamen Gastgeber geben sich als begeisterte Taucher zu erkennen, und halfen uns beim Orten der besten Tauchplätze.
Am nächsten Morgen teilten sie uns mit, sie wollten den windstillen Tag dazu benutzen um bei dem etwas über zehn Meilen entfernten Deloranie Island zu Tauchen, wozu wir uns gerne anschlossen.

Auf unserem Kurs passierten wir die Hook Passage, die uns am Vortag mit heftigem Gegenstrom und bis nahezu meterhohem Schwell forderte.
Auf der Höhe von Border Island erreichte uns über Funk John’s Hinweis, dass der Wind nun für unser Vorhaben zu stark zugelegt habe.
Wir verholten in die Cateran Bay im Norden von Border Island, wo ich mich zusammen mit Lynne zu einem erlebnissreichen Tauchgang aufmachte.
Während des Tauchens hörten wir eine Gruppe Wale, deren einzelne Tiere an ihrer Tonlage leicht auszumachen waren.
Später besuchten uns Lynne und John mit einem Unterwassermikrofon. Nun waren die Stimmen noch lauter zu hören. Deutlich unterschieden sich Bullen, deren Stimme dem Brüllen von Elefanten gleichkam, von der wesentlich höheren Stimmlage von Jungtieren.

   
   
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