BLUE
PEARL
12. März. 2004 |
'Trouble'....
Hier in Hobart vernahmen wir, dass unser japanischer Freund Masayuki,
mit dem wir in Kapstadt viel Zeit verbracht hatten, auf dem Weg nach
Australien ein weiteres Mal aus Seenot geborgen werden musste.
Weil das Ruder der BEAM noch nicht repariert war, als wir Kapstadt verliessen,
haben wir von unserem ursprünglichen Vorhaben, ihn auf der Insel
St. Paul im indischen Ozean zu treffen, abgelassen.
Als wir in Hobart eintrafen wurden wir im Jachtclub nach dem Japaner
gefragt, der mitten im südindischen Ocean von seiner Jacht abgeborgen
werden musste.
Später informierte uns John, der mit seiner FARAWAY noch in Kapstadt
weilte, dass Masayuki mit seiner BEAM durchgekentert, aber nun in Sicherheit
sei. Nachdem er von einem australischen Suchflugzeug geortet wurde, konnte
er anschliessend von einem Frachtschiff abgeborgen werden.
Damit fand nun seine Weltumseglung (gegen die übliche Richtung),
die er gegen alle Widerstände und Pannen mit ungebrochenem Willen
anstrebte, ein vorzeitiges Ende. Seine BEAM ist verloren.
Noch nie zuvor hatten wir erlebt, dass das Schicksal wiederholt derart
hart und unerbittlich in die selbe Bresche schlägt.
Nichts hätten wir ihm, dem immer aufgestellten und freundlichen
Masayuki, mehr gegönnt, als dass sein Traum dereinst wahr wird,
und er als Weltumsegler mit seiner BEAM in seinem Heimathafen Sapporo
eintrifft.....
Wir werden ihn nächstes Jahr in Sapporo besuchen.
Bereits in den ersten Tagen nach unserer Ankunft in Hobart sind uns
die Mountainbikes vom Deck der BLUE PEARL gestohlen worden.
Um von diesem Ereignis zu schreiben brauchte ich erst etwas Distanz,
da wir mit diesen Rädern die Schweiz mitsamt ihren Bergen erkundeten.
Zudem haben uns diese Bikes auf unserer Reise viele unvergessliche Touren
ermöglicht.
Selbst während unseres langen Aufenthaltes in dem von Diebstahl
geplagten Kapstadt, blieben sie uns erhalten.
Vor wenigen Tagen trafen wir uns mit Mike Harris, dem Eigner der vor
uns am Constitutions Dock liegenden Segelyacht PANGOLIN.
Auch sein Bike wurde gestohlen, und zusammen gelangten wir zu dem Entschluss,
in der Tageszeitung MERCURY auf diesen Misstand hinzuweisen.
Auf dem Weg zur Redaktion erfuhren wir von Mike, dass er nautische Programme
kreiert.
Auch wir sind im Besitz eines "Tidenprogramms", das wir von
ihm gekauft hatten.
Wir wussten nicht, dass Mike Harris als Fahrtensegler unterwegs ist.
Auf unserer Homepage findet sich schon seit den Anfängen unserer
Reise ein Link auf seine Website.....
Der Zeitungsartikel erschien umgehend in der Freitag-Ausgabe, just am
Tage unserer Abreise in Hobart.
Dass keines unserer GHOST Bikes mit Foto gezeigt wurde, dämpfte
unsere anfängliche Hoffnung, wieder in Besitz der Räder zu
gelangen.
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Noch mehr trouble...
Damit noch nicht trouble genug.......
In der vorangegangenen Woche blieb es uns auf Bruny Eiland versagt, den
schmalen Sandstrand der die Isthmus Bay von der Adventure Bay trennt,
zu besuchen.
Wir waren damals im "Chanel" unterwegs.
*Der D` Entrecasteaux Chanel, wird von den hier heimischen der Einfachheit
halber "Chanel" genannt. Die durchgehende Wasserstrasse, führt
von der Storm Bay im Süden bis zum Derwent River, der Zufahrt nach
Hobart im Norden.
Entlang dieser Route sind unzählige gut geschützte Ankerbuchten,
ein Eldorado für die Segler vor Ort, und die wenigen Gastyachten
aus aller Welt.* (((*als Erklärung in Schrägschrift*)))
Wir erreichten die Isthmus Bay am Nachmittag, bei tiefem Tidenstand.
Unter diesen Voraussetzungen war es auch mit dem Beiboot nicht möglich,
die über eine halbe Meile breite, für Schiffe nicht befahrbare
Untiefe zu passieren.
Als wir dann Hobart verliessen, dachten wir uns, es sei ein leichtes,
in der Adventure Bay zu Ankern, und mit dem Beiboot in der riesigen Bucht
mit Sandstrand anzulanden.
Kurz nach zwei Uhr erreichten wir die Bucht. Als Folge des starken Schwells,
der ungehindert vom Südindischen Ocean auf diese Bucht trifft, setzten
wir den Anker etwa dreihundert Meter vor der Küste auf zehn Meter
Wassertiefe.
Schnell war das Beiboot im Wasser, und der 15 PS Aussenborder montiert.
Bei der Anfahrt zum Strand sahen wir die Treppe, die zu unserem Ziel,
dem Aussichtspunkt auf einer kleinen Erhöhung, führt. Kurz
vorher waren dort noch Touristen, die sich jedoch bereits wieder entfernt
hatten.
Vor uns schob sich eine mächtige Brandung gegen die Küste.
Nachdem sich die Welle als tosender Brecher auf dem Strand entladen hatte,
unterquerten uns weitere leichtere Wellen. Ich folgte einem dieser
kleineren Ungetüme.
Als der Sand durch den weissen Schaum sichtbar wurde, gab ich mit dem
Motor den letzten Schub, und war dabei den Schaft anzuheben, um anzulanden,
als unser Zodiacschlauchboot in Fahrt geriet.
In unserem Rücken hatte sich eine hohe Wasserwand gebildet, in deren
Front wir mit dem Heck zusehends steiler angehoben wurden.
In dem Moment, als die Welle zu brechen begann, berührte das Dingi
mit der steil nach unten gehaltenen Schnauze Sandgrund.
Noch während wir uns überschlugen, toste die Brandung über
uns hinweg.
Bereits im Wasser, erwartete ich im ersten Moment vom Beiboot, oder dessen
Aussenborder die ich als grauen Schatten über mir wahrnahm, getroffen
zu werden. Sekunden später fand ich mich im brusttiefen Wasser wieder.
Das Schlauchboot trieb kopfüber vor mir im Wasser. Anstelle des
Motorgehäuses ragte der Schaft des Aussenborders aus dem sandbefrachteten
Nass.
Unverzüglich versuchte ich das Boot aufzurichten, während sich
Anita sofort auf die Verfolgung der treibenden Plastiksäcke machte,
in denen sich unsere Fototasche mit Apparat, und in einer weiteren Tasche
die Filmkamera befand.
Mit dem zweiten Versuch gelang es mir, das Boot zu drehen, doch in diesem
Augenblick befanden wir uns bereits schon wieder in knöcheltiefem
Wasser, und waren bestrebt, unsere Habe in Sicherheit zu bringen.
Kaum war das Boot auf den trockenen Strand gezogen, versuchte ich den
Aussenborder zu starten, was zur grössten Verwunderung ohne Probleme
gelang. Das blecherne Knattern des auf dem trockenliegenden Motors tönte
wie Musik.
Ein Wunder, der mit Sicherheit im Salzwasser ertränkt geglaubte
Motor schien nicht im geringsten angeschlagen.
Inzwischen hatte Anita die Taschen in den Plastiksäcken inspiziert.
Das Wasser mit grossem Sandgehalt war bis zu den Kameras vorgedrungen,
wurde aber von der starken Schaumstoffpolsterung der Taschen in beiden
Fällen restlos aufgesaugt, so dass an den Geräten keine Schäden
festgestellt werden konnten.
Schnell wurden die Taschen in die Plastiksäcke zurückgestaut,
und diese verknotet.
Es blieb uns keine Zeit, wir mussten den Strand verlassen, und hofften,
dass der Aussenborder auch weiterhin einsatzfähig blieb.
Doch bereits als wir das Beiboot in Richtung Wasser schoben, toste eine
weitere Brandung über uns hinweg, womit das Beiboot wieder randvoll
Wasser und Sand war, und wir uns bemühen mussten, dieses ein weiteres
Mal zu entleeren. Weitere versuche endeten mit dem selben Resultat. Ich
war mir indessen nicht mehr sicher, dass der Aussenborder, der inzwischen
einiges abbekommen hatte, und weitere Brandungen durchgestanden hatte,
noch einsatzfähig war.
Trotz ablandigem Wind war es unmöglich, ohne Motor durch die Brandung,
zurück zur BLUE PEARL zu gelangen.
Also stellten wir uns ins Wasser, liessen die nächste Brandung über
uns hinwegtosen, und bestiegen dann rasch das mit Wasser gefüllte
Boot.
Wieder sprang der Aussenborder ohne stottern an, und wir bemühten
uns, zusammen mit der ablaufenden Brandung, tieferes Wasser zu erreichen.
Doch Sekunden später scharrte die Schraube bereits wieder im Sand
der seichten Küste. Der nächste Brecher überflutete uns.
Wie an einem Anker hielt sich das Boot durch die im Sand eingegrabene
Schraube in Position. Der Brecher brachte zugleich das Wasser zum Steigen,
so dass unser "vollbelastetes" Boot wieder ins Schwimmen kam,
und dank dem kräftigen Aussenborder weitere Meter seewärts
gutgemacht werden konnten.
Die nächste Dünung erreichte uns noch ungebrochen, so dass
der Bug des Bootes angehoben wurde, womit sich das im Boot befindende
Wasser zum grossen Teil über die Rückwand entleerte. Um vieles
leichter legten wir an Speed zu, und kamen kurz darauf ins Gleiten.
Der Strand lag nun hinter uns, die BLUE PEARL vor uns.
Ausser den triefend nassen Kleider, einer verlorenen Sonnenbrille, und
einem kleinen Anker, der nun irgendwo in der Brandung liegt, blieben
wir schadlos.
"*Gott* sei Dank" hatte *Anita* mit Spritzwasser gerechnet,
und die Foto und Filmausrüstung zusätzlich in Plastiksäcke
verpackt......................
Die Fotosession wollte ich mir dennoch nicht entgehen lassen.
Nachdem wir den Sand aus allen unseren Körperteilen gewaschen,
und uns neu eingekleidet hatten, machte ich mich auf den Weg in den Mast.
Nebst den etwas dürftigen Bildern, die aus dieser Perspektive möglich
waren, entdeckte ich auch noch eine angebrochene untere Wante, die dringend
repariert werden musste.
Nach Einbruch der Dunkelheit erreichten wir in der geschützten Saftey
Cove, in der wir bereits vor Wochen vor Anker gelegen hatten, womit für
uns die Anfahrt bei Nacht nicht zum Problem wurde.
Der Bruch im Rigg war unerwartet, da wir in Kapstadt nebst diversen
Verstärkungen an der Verstagung auch für genügend und
die richtigen Ersatzteile gesorgt hatten, war der Schaden am nächsten
Morgen schnell behoben.
Bei Gelegenheit wollen wir auch diese Wanten durch Dyform "einem
stärkeren Produkt im selben Durchmesser ersetzen".
Am nächsten Nachmittag nahm ich mir in der Bucht vor Schouten Island
den Aussenbordmotor vor.
Die Innenseite des Gehäuses war stark versandet.
Selbst die Kabelzüge für die Schaltung und das Gas, die im
Schutz des Gehäuses angebracht sind, haben ihren Teil Sand abbekommen,
was bestätigt, dass der Motor im Innern der Abdeckung völlig
geflutet war, und dennoch nicht ernsthaft Schaden nahm...
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