BLUE
PEARL
Broken Bay
10. Mai 2004
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Alles dauerte etwas länger so wurden aus dem Liefertermin für die Deckhausscheibe fünfzehn anstelle der sieben bis neun Tage.
Die Fotokamera die schon fünf Wochen in Reparatur ist, musste fürs erste dort zurückgelassen werden.
Am Samstag Morgen waren wir bereit für die Fahrt in die nördlich gelegene Broken Bay.
Wir hoben den Anker aus dem dunklen Wasser der Blackwattle Bay, die hier mitten in der Stadt, trotz der Tide von 1.5 Meter nicht genügend durchflutet wird, um sich zu regenerieren.
Eine Woche zuvor, wurden wir von der Waterway Patrol nach unseren sanitären Installationen befragt.
Während wir auswiesen, dass die BLUE PEARL mit den geforderten Fäkalien und Schmutzwassertanks ausgerüstet ist, konnte uns der Beamte nicht mitteilen, wo solche zu entleeren sind.
Nach einem halben Tag kam er zurück. Er hatte für uns eine Möglichkeit organisiert, unseren diesbezüglichen Ballast an einem Steg, wo professionelle Gastschiffe liegen, loszuwerden.
Seine Bemühungen offenbaren, dass solche Probleme für Sydney Harbour mit seinen vielen Buchten und unzähligen privaten Booten nicht gelöst sind.
Am frühen Samstag Nachmittag (8. Mai) erreichten wir Scotland Island in der Broken Bay.
Dort waren wir mit Horst verabredet, der ein TO Stützpunkt führt.
Wir fanden seine Ketsch mit gehisstem TO Stander, und belegten in deren Nähe, an einer freien Boje.
Horst wohnt mit seiner Familie auf dieser kleinen Insel mit wenigen hundert Meter Durchmesser.
Unzählige Stege entlang der untiefen Küste, schlagen Brücken in tieferes Wasser.
Kurze Zeit später setzte er im Ruderboot zu uns über. Wir hatten seine Adresse für unsere Post verwendet, die er bei sich hatte.
Nach gemütlicher Unterhaltung auf der BLUE PEARL, anerbot er uns, ihn in seinem Haus zu besuchen.
"Horst ist deutscher Abstammung, und hatte vor dreissig Jahren mit seiner Frau die Welt umsegelt. Später organisierte er Jagd Safaris in Australien". Bald waren wir unterwegs auf der bewaldeten, vielleicht hundert Meter hohen Insel.
die vielen Pinien und Eukalyptusbäume schlossen den Wald in seiner Krone fast lückenlos.
Von der See konnten wir nur die am Strand, oder in dessen nähe liegenden Häuser ausmachen. Nun stellten wir fest, dass die Insel viel stärker bebaut ist, als wir angenommen hatten. Umgeben von Buschwerk waren im Schatten der hohen Bäume viele versteckte Häuser auszumachen, die nur durch naturbelassene Fusswege und Treppen zu erreichen sind. Horst wohnt beinahe auf dem höchsten Punkt der Insel. Durch die von ihm gepflanzten Bananenbäume erinnert das Umfeld des Hauses an einen Dschungel. Die lauten Schreie von Kakadus und bunten Papageien tragen das ihre dazu bei.
Da kaum Sonneneinstrahlung das Haus erwärmt, hatte Horst im Ofen des gemütlichen Wohnzimmers bereits Feuer gemacht.
Weil es hier zu dieser Jahreszeit kurz nach sechs Uhr dunkel wird, machten wir uns bald wieder auf den Rückweg zum Schiff.
Nachdem wir weitere zwei Tage an einer Mooring in einer Bucht im Kuring Gai Chase National Park eine Schlechtwetterfront über uns hinwegziehen liessen, setzten wir am Montag im letzten Tageslicht die Segel mit Ziel Nelson Bay.
Beim Verlassen der grossen Bucht wurden wir im untiefen Wasser der Einfahrt derart vom Schwell gebeutelt, dass wir gegen den Gedanken ringen mussten, uns zurück in die sichere Bucht zu verholen.
In diesem Moment konnten wir nicht verstehen, wie wir in den hinter uns liegenden Passagen, Stürme und schweres Wetter derart gelassen hinnehmen konnten.
Während sich in diesem Augenblick jede Faser unseres Wesens dagegen sträubte weiter Kurs, weg von der Küste, in die unwirtliche wolkenverhangene und von Wind und Regen gepeitschte Nacht zu nehmen.
Am folgenden Mittag belegten wir wie schon vor Wochen eine Mooring unmittelbar vor der Marina von Port Stephens in der Nelson Bay.
Wie alle Orte an dieser Küste ist Port Stephens auf Individual-Touristen ausgerichtet. Massentourismus wie wir ihn an vielen Küsten Europas antreffen, kennt man im Südosten von Australien nicht. Trotz der freundlichen Atmosphäre zieht es uns nordwärts, weg von der Region, die wir die letzten zwei Monate befahren hatten.
Unser Drang nach neuem ist noch ungebrochen..........
Wir verholten uns am Donnerstagabend zu dem zehn Meilen im Norden liegenden Broughton Island. Wieder wurden wir von dem frühen Eindunkeln überrascht, und tasteten uns beim letzten Dämmerlicht an die uns fremde, von Untiefen durchsetzte Küste.
Schon beim ersten Tageslicht hoben wir den Anker, und navigierten uns durch verschiedene Untiefen Nordostwärts in tiefes, und somit sicheres Gewässer. Konstanter Südwind schob uns mit flottem Speed in nördliche Gefilde. Hier bescheren uns nördlichere Breiten trotz dem bevorstehenden Winter, zunehmend wärmere Verhältnisse. Am Samstag erreichten wir noch vor Mittag unser Ziel Coffs Harbour.
Unser Jahresvisum in Australien erlangt erst nach einem Unterbruch unseres Aufenthaltes mit erneuter Einreise vor dem 13. Juni für das zweite halbe Jahr Gültigkeit. So hatten wir diesen Ort als Ausgangspunkt für unseren Unterbruch des Australien-Aufenthaltes gewählt.
Sorgfältig wurden die Möglichkeiten abgewogen. Da wir für das Schiff eine durchgehende Bewilligung für ein Jahr hatten, und der geforderte Unterbruch nur die Crew betraf, entschieden wir uns gegen die Ausreise mit der BLUE PEARL nach Neukaledonien.
Also waren Südseeferien oder ein Trip in die Heimat angesagt. Das Rennen machte die Japan Airline die uns via Tokio und die nördlichsten Regionen von Sibirien, in die Schweiz flog. Aus zehntausend Meter Höhe hatten wir beste Sicht auf die sibirische Eiswüste, die zu dieser Jahreszeit, <wir schrieben den 22. Mai > noch keine Anzeichen von Erwachen zeigte. Durch dieses bizarre Gebilde ausgelöst, das sich wie die See weit über jeden Horizont ausdehnt, erwachte in mir die Sehnsucht nach den unendlichen Weiten arktischer Regionen.
Tief in meinem Innern spürte ich, dass sich mit den vergangenen Abenteuern in hohen Breiten, der unwiderstehliche Drang, in diese Regionen zurückzukehren wie ein Virus festgesetzt hat. Die bereits gemachten Erfahrungen setzen neue Grenzen sowie Ansprüche.
Anita wird wohl auch in der Zukunft den einen oder andern Abstecher in eine dieser unwirtlichen, fantastischen Regionen auf unseren Routenplänen vorfinden...........
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