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BLUE PEARL
21. November 2004

Brisbane
Wir hatten am 8. November Bundaberg erreicht, und dort einige Tage an den Moorings der Midtown Marina verbracht.
Anstelle der nördlichen Umrundung von Fraser Island, wählten wir anschliessend den direkteren Südostkurs durch die Great Sandy Strait, entlang der Westküste von Fraser Island.
Schon am Vorabend hatten wir uns an den Ankerplatz vor der Port Marina verholt, wo wir noch im Dunkeln den Anker hoben. Wir folgten den beleuchteten Markierungen, die uns aus dem Burnett River führten, und hielten Kurs in die Hervey Bay.
Nach dem Tidenbruch profitierten wir vom starken Tidenstrom, der mit über zwei Knoten in Richtung Great Sandy Strait führte.
Am frühen Abend gingen wir an der Westküste von Fraser Island vor Anker.
Fraser Island ist die grösste Sandinsel der Welt mit bis zu 240m hohen Dünen und mehr als vierzig Süsswasserseen.

Die Insel ist zum Teil von der Unesco unter Schutz gestellt. Nebst bis zu siebzig Meter hohen Baumgiganten sind dort auch viele Reptilienarten, Wildpferde und Dingos anzutreffen.
Als wir am nächsten Morgen den Ankerplatz verliessen, konnten wir zwei Dingos beobachten, die wie verspielte Hunde den Sandstrand entlang trotteten.
Bei hoher Tide setzten wir über den Boonly Point, „zu vergleichen mit der Wasserscheide auf einem Berg". (Die Tide, deren Pegel im sechs Stunden Rythmus um bis 3 Meter steigt und fällt, verhält sich an dieser Stelle neutral, und läuft von Norden und Süden auf, oder in diese beiden Richtungen ab. Dabei wird die zu befahrende Route so geplant, dass man stets mit dem Strom unterwegs ist...)

Anschliessen hatten wir ablaufenden Tidenstrom in Richtung Wide Bay, deren Passage uns zurück in den offenen Pacific führte.
Mit Peillichtern gut markiert, führte der Kurs über die Bar, einer Ansammlung untiefer Sanddünen, die von uns als Brecher auszumachen waren.
Mit kaum zwanzig Knoten Wind gegen drei Knoten Strom hatte diese Passage bereits ihre Tücken... Der kurze steile Schwell liess den Bug tief in die Wellen schneiden, und anschliessend steil zum Himmel ragen.
Nachdem wir die Küste hinter uns gelassen hatten, hielten wir Kurs auf die Moreton Bay.
Am nächsten Morgen erreichten wir deren North West Channel, der uns in den Brisbane River führte.

Mit der auflaufenden Tide erreichten wir die Stadt kurz nach Mittag.
Wir hatten viel über Brisbanes Historie gelesen. Nun fanden wir eine moderne Stadt mit 1,5 Millionen Einwohner vor, deren viktorianische Bausubstanz bis auf wenige historische Gebäude, oder deren Fassaden, den Neubauten weichen musste.
Trotz vieler Hochhäuser vermittelt der 1824 gegründete Ort eine angenehme Atmosphäre. Der botanische Garten, der Miite letztes Jahrhundert angelegt wurde, sowie der South Bank Park, "das Gelände einer ehemaligen Expo" laden zum Verweilen ein.
Der River vermittelt einen relaxen Kontrast zur Skyline. Noch immer werden neue Wolkenkratzer hochgezogen, deren zukünftige Bewohner laut Statistik mit täglich sieben Sonnenstunden rechnen dürfen...
In wenigen Tagen werden wir hier ausklarieren, und damit Australien in Richtung Neuseeland verlassen.

   
 
BLUE PEARL
27. November 2004

Moreten Island nach Lord Howe Island
Am Donnerstag dem 25. November hatten wir in Brisbane die Formalitäten zum Ausklarieren erledigt. Damit lief laut unseren Papieren am Samstag unsere offizielle Zeit in Australien ab. Allerdings ist auch das vierhundert Meilen vor uns liegende Lord Howe Island dessen Kurs nun anliegt, australisches Hoheitsgebiet.
Nachdem wir am Freitagmorgen mit ablaufender Tide den Brisbane River verlassen hatten, lagen wir die erste Nacht im Lee von Moreten Island, unmittelbar vor dem Resort "Tangalooma" vor Anker.

Etwas weiter im Norden wurden ein Dutzend Stahlschiffe versenkt, um damit einen gegen Westwind geschützten Ankerplatz zu schaffen.
Diese Wracks, die zum Teil aus dem Wasser ragen, rosten nun seit Jahren dahin, und haben es geschafft, einen gewissen Bekanntheitsgrad zu erlangen.
Da Südostwind anlag und wir auf Nordwind warteten, waren wir nicht auf deren Schutz angewiesen.

Am Samstag verholten wir an die Nordküste von Moreten Island, und waren bereit, mit einsetzendem Nordostwind den Kontinent zu verlassen.
Nach einer Nacht in unmittelbarer Nachbarschaft zum Boot der Coast Quard, die dieselbe Ecke als Ankerplatz gewählt hatte, hoben wir am Sonntagmorgen den Anker und liefen, da der Wind noch nicht ausreichte, unter Motor in Richtung Südost.
Am späten Morgen setzte der erwartete Nordwestwind ein, und noch vor Mittag liefen wir unter Segel. Schnell gewöhnten wir uns an die Bordroutine. Um uns setzte das blasse Blau des Horizonts dem Tiefblau des Pazifiks klare Grenzen. Auch die letzten Küstenformationen hatten sich unserem Sichtbereich entzogen. Das regelmässige Geräusch, der schäumendweiss brechenden Wellen, war in Einklang mit unseren Gefühlen......Vorwärts... wir haben uns von der Küste gelöst, viele Freunde und Bekannte vielleicht für immer hinter uns gelassen.
Wir fühlen uns frei, und sind offen für alles Neue, was uns in der Zukunft erwarten wird.
Mit unter zwanzig Knoten Wind von achtern, und wenig Schwell erlebten wir das Segeln von seiner besten Seite.
Am Dienstag frischte der Nordwestwind um einige Knoten auf.
Inzwischen waren wir aus der Abdeckung der Küste gesegelt, und konnten mit dem VHF Funkgerät verschiedene Küstenstationen emfangen. Anstelle des üblichen Aktionsradius von fünfzig Meilen, erreichten unser Empfang zu diesem Zeitpunkt Küstensender aus bis fünfhundert Meilen Entfernung.

So wurden wir von Wettervorhersagen in einer Menge, wie wir das noch nie erlebt hatten, eingedeckt.
"Starkwind, und zum Teil Sturm" wurde angesagt. Für uns kam dieser Schub im falschen Moment, mit Speed bis acht Knoten würden wir unser Ziel Lord Howe Island schon kurz nach Mitternacht erreichen.
Da die Einfahrt ins Riff in der Nacht nicht möglich ist und zudem durch den starken Nordwestwind dort einiges an Schwell zu erwarten ist, drosselten wir unseren Speed mit kleinstgesetzter Segelfläche auf vier bis fünf Knoten.

   
   
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