BLUE
PEARL
17. Oktober 2004
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Lady Musgrave Island
Wir sind nun auf südlichen Kursen unterwegs, mit Ziel Neuseeland.
Gestern haben wir Lady Musgrave erreicht, ein geschlossenes Riff mit kleiner Insel, von dem wir schon vor Monaten berichtet haben.
Im Gegensatz zu unserem ersten Besuch, sind die Wetterverhältnisse zurzeit ausgezeichnet.
Leichter Nordostwind lässt im Inneren des Riffs kaum Schwell aufkommen.
Bei wiederholten Drift - Tauchgängen an der Westflanke des Riffs, hat sich die von uns erstmals angewendete Technik, das Beiboot an einer langen Leine mitzuführen hervorragend bewährt.
Wir lassen uns in der Strömung von etwa einem Knoten über die Korallenlandschaft treiben. Dabei treffen wir oft auf ausgewachsene Turtle's (Wasserschildkröten), die nach ca. fünfzehn Jahren zu ihrer Geburtsinsel zurückgekehrt sind, um hier ihre Eier unter den Küstensand zu bringen...
Die Tiere haben bereits die Grösse von etwa einem Meter erreicht. Deren Panzer sind von der Zeit gezeichnet, und haben die hellbraune Farbe der jüngeren Generationen mit einem stumpfen grün-grau getauscht.
Ein Stingray (Rochen) von zwei Meter Länge fesselte unsere Aufmerksamkeit.
Als er sich sachte in Bewegung setzte, glitt sein ausladender Körper wie ein grosser wogender Flügel über den Sandboden. Beim Überqueren von Hindernissen, war seine untere Seite auszumachen, die im Gegensatz zur schwarzen Oberfläche in reinem Weiss aufblinkte.
Beim Besuch auf der Insel stellten wir fest, dass diese sich zurzeit zur Kinderstube vieler Seevögeln gewandelt hat. Zum Teil sitzen die brütenden Vögel ohne Nest auf nackten Boden auf ihrem Ei. Viele haben aus Blättern eine kleine Plattform auf ausragende Aeste gebaut, die sie mit ihrem eigenen Kot zusammengefügt haben. Dabei leben die geschlüpften Jungtiere ständig am Rande des Abgrundes.
Im Küstensand sind die Spuren vieler Turtle's auszumachen, die sich oberhalb der Hochwasserlinie in den Sand eine grosse Mulde gegraben hatten, um dort in sicherer Tiefe von mehr als einem halben Meter, ihre Eier zu hinterlassen.
Wir beschlossen, die nächste Nacht auf Expedition zu gehen, um die Schildkröten bei ihrem Tun zu beobachten.
In mondloser Finsternis verholten wir uns mit dem Dingi an die Küste. Aus dem Tropenwald drang das Geschrei vieler uns unbekannter Tiere, in einer Vielfalt, wie wir das noch kaum erlebt hatten.
Nach kurzer Zeit schon trafen wir auf riesige Schildkröten, die sich auf dem Weg in höhere Gefilde, durch den Küstensand pflügten. Dabei rasteten sie nach jedem Meter, und gaben mit lautem Schnaufen kund über die ungewohnte Anstrengung.
Bald trafen wir auf ein Exemplar, das sich bereits tief eingegraben hatte, und im Begriff war, die Eier in einen eigens dafür ausgehobenen Schacht zu legen.
Da sich Turtle's bei fortgeschrittenem Legeprozess nicht mehr stören lassen, nutzten wir die Gelegenheit, um uns von hinten anzunähern.
Mit schwachem Lampenlicht konnten wir beobachten, wie sich der Schacht langsam mit Eiern füllte, die die Schilkröte begleitet mit lautem Schnaufen, schubweise aus ihren Leib presste.
Inzwischen waren auch die Sandflöhe, die wir vorher nicht bemerkt hatten, von unserer Anwesenheit angetan. Nach kurzer Zeit juckte es uns an Armen und Beinen, so dass wir froh waren, zur BLUE PEARL zurückkehren zu können.
Damit war das kurz aufkommende Verlangen, wie Robinson auf einer Insel zu leben, wieder bis auf weiteres gestillt......
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