Sitka
Die Regenzeit war schon fast vergessen, als wir uns Sitka näherten.
Der Ort mit seinen vorgelagerten Inseln, der nur per Schiff oder Flugzeug zu erreichen ist, empfing uns mit lauter Sonne, und das schien sich auch in den folgenden Tagen, und während unseres ganzen Aufenthaltes nicht zu ändern.
Wir hielten auf Whale Island zu, dessen Eigner John, uns sein Haus für den Winter angeboten hatte.
In der Bucht zwischen den Inseln setzten wir uns vor Anker. Voraus war zwischen weiteren Inseln die Stadt mit seiner Bogenbrücke aus Beton auszumachen. Der Hintergrund ist gesäumt mit über tausend Meter hohen Bergen, wo zum Teil noch Schnee lag.
Trotz der Stadtnähe, und des lauten Dröhnens der Wasserflugzeuge, die fleissig starteten oder zur Landung ansetzten, war diese Inselwelt eine Idylle, wie wir es nur selten erlebt hatten.
Johns Insel erreichten wir über einen Anleger in deren Norden. Dieser wurde als schwimmender Steg gebaut, da die Gezeiten hier bis über vier Meter Tidenhub mit sich bringen. Einige hundert Meter Pfad durch dichten Urwald führten uns zu seinem Haus und der Sägerei im Südwesten der Insel.
Das Haus schien mitten im Umbau verlassen worden zu sein. Dessen Verkleidung in Plastik weißt darauf hin, dass die Aussenhaut noch anzubringen ist.
Aber wie John uns geschrieben hatte, lässt sich hier Wohnen. Holz ist für viele Winter vorhanden. Im Bereich der Sägerei türmten sich Stämme, mit zum Teil über anderthalb Meter Durchmesser, die John als treibende „Log's“ aus der See geborgen und hierher geschleppt hatte. Daneben lagen gesägte Balken, und Abfallholz zu Haufen.
Die Bausubstanz, die zur Hauptsache aus der Überdachung der Sägerei bestand, war von den Jahren gezeichnet, und Winterstürme hatten ihre Spuren hinterlassen. Dort wo das Dach abgedeckt war, blieb die Anlage ungeschützt der Witterung ausgesetzt.
Die schweren Maschinen, Bagger und Lastwagen, die John nach Bedarf für seine Arbeiten umgebaut hat, hatten schon bessere Zeiten gesehen.
Dennoch wird John alles zum Laufen bringen, wenn er hier im Herbst seine Kundenaufträge ausführen will... für uns unvorstellbar.
Es spielt auch keine Rolle, für die Leute hier in Sitka ist jederman sehr wohlhabend, der sich das Wohnen auf einer dieser Inseln leisten kann.
Die Natur ist daran, sich Johns Insel zurückzuholen, in den Wipfeln der Tannen sass ein Weisskopf-Adlerpaar, das durch unser Eindringen gestört wurde. Statt einfach davonzufliegen, gaben sie Warnschreie von sich, zogen tief durch die Lichtung gleitend einen Bogen, und kehrten auf ihren Hochsitz zurück.
Wir entschlossen uns, hier vor Anker liegen zu bleiben, und uns nicht wie vorgesehen in den Hafen zu verholen. Mit dem Beiboot waren die anderthalb Seemeilen zum Ort in kurzer Zeit zurückgelegt, und Möglichkeiten zum Anlegen gab es in der Stadt viele.
Sitka mit zurzeit ca. 9000 Einwohner, dehnt sich entlang der Westküste von Baranof Island, im Bereich des Sitka Sound.
Den Schutz des Sounds geniessend, hat man den Pacific doch in unmittelbarer Nähe.
Bevor die Russen Alaska 1867 an Amerika verkauften, war Sitka Sitz des russischen Parlaments, und Alaskas Hauptstadt.
1906 unter amerikanischer Führung, wechselte Alaskas Regierung nach Juneau, der heutigen Hauptstadt.
Die Region um Sitka wurde den Urbewohnern "den Tlingits", die sich hier eine Festung gebaut hatten, im Jahr 1804 in schweren Kämpfen von den Russen abgenommen.
An die Zeit vor den Russen erinnern die „Totem Pooles“, deren kunstvolle Schnitzereien viele Geschichten über die Indianer und deren Tradition sowie deren religiöse Auffassung bergen.
Grabungen und archäologische Funde, sollen auf zehntausend Jahre zurück, an diesem Ort, die Präsenz von Menschen nachweisen. Die Stämme, die vor den Russen hier angesiedelt waren, sollen schon fünftausend Jahre auf diesem Platz gelebt haben.
ihre Art zu Leben kann bis fünfhundert Jahre zurück recht gut nachvollzogen werden.
Sie waren sesshaft, und lebten in Holzbauten, da die Region jederzeit Nahrung im Überfluss bot.
Sitka liegt mit seinem touristischen Angebot im Trend. Am Mittwoch dem 10. August lagen drei grosse Kreuzfahrten-Schiffe im Sound. Zu Tausenden wurden die Gäste mit Landungsschiffen in den Ort gebracht, was einiges an organisatorischem Aufwand forderte, dass die Operation nicht im Chaos endete. So trafen wir an diesem Tag noch mehr Leute mit Namensplaketten, einem farbigen Aufkleber mit den Schiffnamen, und einen Weiteren mit der Bezeichnung des Decks auf dem Shirt geklebt.
Das Absurdum bot sich uns mit einem Lastwagen, in dessen Aufbau hunderte von Regenjacken zur Vermietung hingen, für die bei schönstem Wetter mit nahezu dreissig Grad niemand Verwendung fand.
Warum hatten sich diese Leute keinen freien Tag gegönnt??
Am Abend schlichen die Riesen mit dröhnendem Hupen aus den Sound. Am nächsten Morgen lagen die Nachfolger an deren Stelle.
Wieder mussten wir uns mit dem Beiboot wie schon gewohnt, den Weg ans Land, durch die steilen Heckwellen der Landungsboote suchen.
Das Sheldon Jackson College in Sitka betreibt archäologische Forschung, die zurück über die von den Russen besiedelte Zeit, in die Zeit der Urbewohner reicht.
Dazu führen sie eine, im Vergleich mit anderen Anlagen kleine ‚Hatchery', die der Forschung, und der Suche nach Lösungen für das Lachsproblem dienen soll.
Durch eine geschützte Aufzucht versucht man mit weniger in den Fluss zurückgekehrten Lachsen, mehr Jungfische in das Meer zurückzubringen.
So werden in den zum College gehörenden Anlagen jährlich eine Million Pink Salmon und zweihunderttausend Silver Salmon gezüchtet. Dazu werden alle zurückgekehrten Salmon gefangen und gestreift. Danach werden diese als Fischfutter verwertet, da sie in jedem Fall sterben würden.
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