BLUE PEARL
01. August 2005

Cordova im Prince William Sound

Nach einer Nacht im Snug Comer Cove, wo wir in verschiedene Bächen Lachse beobachten konnten, trafen wir am 1. August in Cordova ein.

Das Wetter hatte sich seit einer Woche kaum geändert, und die Aussichten waren nicht vielversprechend.

Der kleine Ort hat keinen Strassenanschluss, wird aber regelmässig von Fähren angelaufen.

Im Winter ist hier ab Meereshöhe Skifahren möglich, da die Piste mit Lift bis in das Dorf führt.

1911 wurde eine Bahnlinie zu den Kupferminen eröffnet. 1938 wurde der offizielle Betrieb eingestellt. Die Strecke war speziell wegen einem Viadukt, der Million Dollar Bridge, die über den Kupfer River führte, bekannt.

Die Bausumme von anderthalb Millionen Dollars entsprach für damalige Verhältnisse einem überaus grossen Betrag. Ein Erdbeben zerstörte 1964 einen Teil der Brücke, was für diese Strecke das endgültige aus bedeutete.

Heute ist neben dem im Vergleich zu Seward bescheidenem Tourismus, eine recht aktive Fischerei zu beobachten.
Die fischverwertenden Betriebe entledigen sich der Abfälle direkt via Kanalisation in den Sound unmittelbar vor den Hafen. Das führt zu einer Riesenpopulation Seemöwen, die in dichten Schwärmen über diese Abfälle herfallen.

Dem Hafen beschert das bei ungünstigem Wind eine auf dem Wasser treibende Fettschicht, die unseren Wasserpass in nur einem Tag auf unvorteilhafte Art befallen hatte.

Bald hatten wir uns mit Frischprodukten versorgt, die Wäsche auf Vordermann gebracht, und uns selbst eine Dusche gegönnt. In der Bibliothek bedienten wir uns des Internets, das in den US Library's kostenlos ist. Nach dem Besuch des Ortsmuseums, das auch über die Tanker-Katastrophe der EXXON VALDEZ im 1989 berichtet, war das Schlechtwetterprogramm vor Ort grösstenteils absolviert, und wir zogen es vor, die nächste Nacht in einer nahen Bucht zu verbringen, da der Gästesteg beim Eingang liegt, und ein Ankerplatz allemal ruhiger ist.

 
BLUE PEARL
05. August 2005

Regen Regen Regen

Am Abend des 2. August verholten wir uns in die zwei Seemeilen entfernte Deep Bay.

Wie schon seit Tagen regnet es die meiste Zeit ausgiebig. Die Nächste Nacht, und der folgende Morgen änderte nichts an dieser Tatsache. Die Weitsicht, für die der Norden bekannt ist, blieb uns während des Aufenthaltes im Prince William Sound verwehrt.

Unser nächstes Ziel war die Garden Cove in der nähe des Eingangs zum Sound. Unser Weg führte uns zum zweiten Mal durch die Orca Bay, doch schon wie während der Anfahrt, waren auch an diesem Tag in den bis auf das Wasser hängenden Wolken, keine Orca's auszumachen.

In der grossen Bay, die ungewohnt schlechten Schutz bot, war ausser uns ein Schlepper, mit seinem nun leeren Containerkahn, verankert. Vor Tagen hatten wir ihn gekreuzt. Nun wartete auch dieses Gespann auf gute Voraussetzungen, um sich in den offenen Pacific hinauszuwagen.

Der übernächste Morgen fanden wir als gut genug, da wir ohne Genua auf genügend Wind angewiesen waren, so dass wir mit Gross und Kutter in Fahrt kommen wollten.

Der Wind war mit knapp zwanzig Knoten gut, die Richtung führte uns in den Pacific hinaus, so dass wir die Stops in der Icy- und in der Yankutat Bay bleiben liessen, und Kurs auf Sitka anlegten.

Ganz ohne Hilfe des Motors ging es dann aber nicht, das Hoch, das zunehmend überhand nahm, und sein Zentrum über unsere Position rückte, brachte uns die ersten Sonnenstrahlen, liess jedoch den Wind zunehmend einschlafen. Erst Am Abend bevor wir Sitka erreichten, kam wieder ein steifer Nordwestwind auf, der uns zu dem gewünschten Speed verhalf.

 
BLUE PEARL
08. August 2005

Sitka

Die Regenzeit war schon fast vergessen, als wir uns Sitka näherten.

Der Ort mit seinen vorgelagerten Inseln, der nur per Schiff oder Flugzeug zu erreichen ist, empfing uns mit lauter Sonne, und das schien sich auch in den folgenden Tagen, und während unseres ganzen Aufenthaltes nicht zu ändern.

Wir hielten auf Whale Island zu, dessen Eigner John, uns sein Haus für den Winter angeboten hatte.

In der Bucht zwischen den Inseln setzten wir uns vor Anker. Voraus war zwischen weiteren Inseln die Stadt mit seiner Bogenbrücke aus Beton auszumachen. Der Hintergrund ist gesäumt mit über tausend Meter hohen Bergen, wo zum Teil noch Schnee lag.

Trotz der Stadtnähe, und des lauten Dröhnens der Wasserflugzeuge, die fleissig starteten oder zur Landung ansetzten, war diese Inselwelt eine Idylle, wie wir es nur selten erlebt hatten.

Johns Insel erreichten wir über einen Anleger in deren Norden. Dieser wurde als schwimmender Steg gebaut, da die Gezeiten hier bis über vier Meter Tidenhub mit sich bringen. Einige hundert Meter Pfad durch dichten Urwald führten uns zu seinem Haus und der Sägerei im Südwesten der Insel.

Das Haus schien mitten im Umbau verlassen worden zu sein. Dessen Verkleidung in Plastik weißt darauf hin, dass die Aussenhaut noch anzubringen ist.

Aber wie John uns geschrieben hatte, lässt sich hier Wohnen. Holz ist für viele Winter vorhanden. Im Bereich der Sägerei türmten sich Stämme, mit zum Teil über anderthalb Meter Durchmesser, die John als treibende „Log's“ aus der See geborgen und hierher geschleppt hatte. Daneben lagen gesägte Balken, und Abfallholz zu Haufen.

Die Bausubstanz, die zur Hauptsache aus der Überdachung der Sägerei bestand, war von den Jahren gezeichnet, und Winterstürme hatten ihre Spuren hinterlassen. Dort wo das Dach abgedeckt war, blieb die Anlage ungeschützt der Witterung ausgesetzt.

Die schweren Maschinen, Bagger und Lastwagen, die John nach Bedarf für seine Arbeiten umgebaut hat, hatten schon bessere Zeiten gesehen.

Dennoch wird John alles zum Laufen bringen, wenn er hier im Herbst seine Kundenaufträge ausführen will... für uns unvorstellbar.
Es spielt auch keine Rolle, für die Leute hier in Sitka ist jederman sehr wohlhabend, der sich das Wohnen auf einer dieser Inseln leisten kann.

Die Natur ist daran, sich Johns Insel zurückzuholen, in den Wipfeln der Tannen sass ein Weisskopf-Adlerpaar, das durch unser Eindringen gestört wurde. Statt einfach davonzufliegen, gaben sie Warnschreie von sich, zogen tief durch die Lichtung gleitend einen Bogen, und kehrten auf ihren Hochsitz zurück.

Wir entschlossen uns, hier vor Anker liegen zu bleiben, und uns nicht wie vorgesehen in den Hafen zu verholen. Mit dem Beiboot waren die anderthalb Seemeilen zum Ort in kurzer Zeit zurückgelegt, und Möglichkeiten zum Anlegen gab es in der Stadt viele.

Sitka mit zurzeit ca. 9000 Einwohner, dehnt sich entlang der Westküste von Baranof Island, im Bereich des Sitka Sound.

Den Schutz des Sounds geniessend, hat man den Pacific doch in unmittelbarer Nähe.

Bevor die Russen Alaska 1867 an Amerika verkauften, war Sitka Sitz des russischen Parlaments, und Alaskas Hauptstadt.
1906 unter amerikanischer Führung, wechselte Alaskas Regierung nach Juneau, der heutigen Hauptstadt.

Die Region um Sitka wurde den Urbewohnern "den Tlingits", die sich hier eine Festung gebaut hatten, im Jahr 1804 in schweren Kämpfen von den Russen abgenommen.

An die Zeit vor den Russen erinnern die „Totem Pooles“, deren kunstvolle Schnitzereien viele Geschichten über die Indianer und deren Tradition sowie deren religiöse Auffassung bergen.

Grabungen und archäologische Funde, sollen auf zehntausend Jahre zurück, an diesem Ort, die Präsenz von Menschen nachweisen. Die Stämme, die vor den Russen hier angesiedelt waren, sollen schon fünftausend Jahre auf diesem Platz gelebt haben.
ihre Art zu Leben kann bis fünfhundert Jahre zurück recht gut nachvollzogen werden.

Sie waren sesshaft, und lebten in Holzbauten, da die Region jederzeit Nahrung im Überfluss bot.

Sitka liegt mit seinem touristischen Angebot im Trend. Am Mittwoch dem 10. August lagen drei grosse Kreuzfahrten-Schiffe im Sound. Zu Tausenden wurden die Gäste mit Landungsschiffen in den Ort gebracht, was einiges an organisatorischem Aufwand forderte, dass die Operation nicht im Chaos endete. So trafen wir an diesem Tag noch mehr Leute mit Namensplaketten, einem farbigen Aufkleber mit den Schiffnamen, und einen Weiteren mit der Bezeichnung des Decks auf dem Shirt geklebt.

Das Absurdum bot sich uns mit einem Lastwagen, in dessen Aufbau hunderte von Regenjacken zur Vermietung hingen, für die bei schönstem Wetter mit nahezu dreissig Grad niemand Verwendung fand.

Warum hatten sich diese Leute keinen freien Tag gegönnt??
Am Abend schlichen die Riesen mit dröhnendem Hupen aus den Sound. Am nächsten Morgen lagen die Nachfolger an deren Stelle.
Wieder mussten wir uns mit dem Beiboot wie schon gewohnt, den Weg ans Land, durch die steilen Heckwellen der Landungsboote suchen.

Das Sheldon Jackson College in Sitka betreibt archäologische Forschung, die zurück über die von den Russen besiedelte Zeit, in die Zeit der Urbewohner reicht.

Dazu führen sie eine, im Vergleich mit anderen Anlagen kleine ‚Hatchery', die der Forschung, und der Suche nach Lösungen für das Lachsproblem dienen soll.

Durch eine geschützte Aufzucht versucht man mit weniger in den Fluss zurückgekehrten Lachsen, mehr Jungfische in das Meer zurückzubringen.
So werden in den zum College gehörenden Anlagen jährlich eine Million Pink Salmon und zweihunderttausend Silver Salmon gezüchtet. Dazu werden alle zurückgekehrten Salmon gefangen und gestreift. Danach werden diese als Fischfutter verwertet, da sie in jedem Fall sterben würden.

 
 

In Vancouver ist die Reise mit der BLUE PEARL zu Ende

Für uns geht es in ein paar Tagen weiter in die Glacier Bay, anschliessend in der Inside Passage südwärts bis nach Vancouver, wo die Reise mit der BLUE PEARL in Oktober ihr Ende findet. Für die Zukunft planen wir ein neues Schiff, sind aber nicht in Eile.

Die Instandstellung der BLUE PEARL wird etwas Zeit in Anspruch nehmen.

Ab April 2006 wollen wir Alaska, Kanada und Nordamerika bereisen, je nach Jahreszeit, in Richtung Süden oder Norden.

Das wird der letzte Bericht in dieser Homepage sein. In absehbarer Zeit wird sie geschlossen.

Wenn ihr informiert werden wollt, wenn es mit dem nächsten Schiff weitergeht, sendet uns eine kurze Info an hby3779@sailmail.com