BLUE PEARL
14. Juni 2005

Kauai nach Kodiak

Wir hatten Honolulu am 13. Juni hinter uns gelassen, und zu einer Nachtfahrt mit Ziel Kauai angesetzt. Von der Hanalei Bay aus wollten wir in Richtung Norden starten.

Am übernächsten Nachmittag traf auch die SHADES of BLUE in der Bucht ein. Ihnen hatte sich beim Verlassen des Hafens eine im Wasser treibende Leine um die Schraube gehaspelt. Martin, der als Crew zwei Stunden vorher eingeloggt hatte, musste ins Wasser um Schraube und Schaft zu klarieren, was seiner Meinung nach dem Törn schon in den Anfängen einen Hauch von Abenteuer gab.
Nach einem Besuch auf der SHADES of BLUE, wo uns Fred nahe legte, den vom Westen herkommenden Tiefs auszuweichen, machten wir uns am Morgen des 16. Juni auf den Weg.

Vorweggenommen, unsere letzte grosse Überfahrt mit der BLUE PEARL sollte auch die Schnellste werden. Wir hatten nur zwei Etmale unter hundertfünfzig Seemeilen zu verzeichnen. Der Autopilot hielt der Belastung weiterhin Stand. Auch die Schaft- Dichtung hielt sich trocken. Allerdings brauchten wir den Motor fast ausschliesslich im Leerlauf, um Strom zu erzeugen, und um die Batterien zu laden.

Kurz vor Ankunft in Kodiak stellten sich dann mit dem Ausfall des Radars und zerfetzter Genua neue Probleme ein, die sich erst mit der Ankunft in Vancouver in Ordnung bringen lassen werden.

Vorerst machten wir mit gutem achterlichem Wind flotte Fahrt. Wir hielten uns im äussersten Bereich des grossen, in dieser Jahreszeit im Norden von Hawaii stationären Hochs, wo wir die Windstärke fast nach Belieben wählen konnten. Machte ein vom Westen auf das Hoch treffende Tief etwas mehr Druck, erhöhte sich die Windstärke auf über 25 Knoten, gab der Druck nach, segelten wir mit knapp unter zwanzig Knoten, und fühlten uns bei diesen idealen Bedingungen wie Könige.

Die SHADES of BLUE, deren Crew sich zwei Tage nach uns auf den Weg machte, hatte etwas näher am Kern des Hochs schwächere Winde zu verzeichnen, hielt aber den Speed mit Hilfe des Motors hoch. Sie wollten nach Vancouver, und waren nicht gewillt, einen weiteren Radius als nötig zu segeln. Über SSB erfuhren wir, dass ihr Gefrierschrank mit der selben Art Thunfisch randvoll war, wie wir ihn derzeit auf der BLUE PEARL zu essen pflegten.

Obwohl ich den Ausdruck „Fisch satt“ nicht hören will, er hat nach meiner Auffassung einen etwas negativen Beigeschmack, war es wohl das einzig passende Wort, mit dem wir nach Tagen unsere Situation bezeichnen mussten. Ich hatte das Fischen eingestellt, um endlich wieder einmal eine feine Rösti mit Käse überbacken, auf den Teller zu kriegen.

Vor uns entwickelten sich die unmöglichsten Wetterbilder, mit Fronten in Sturmstärke, um sich dann, wenn wir uns dem Gebiet annäherten, in gastliche Werte zu mässigen.

Einzig den Kurs auf den Unimak Pass in der Inselgruppe der Aleuten, wo wir Dutch Harbour anlaufen wollten, konnten wir nicht halten.

Viel bequemer war es, den Kurs auf Kodiak anzulegen, in dessen Windverhältnisse sich unser Schiff ein weiteres Mal perfekt einfügte.