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| BLUE PEARL 02. März 2005 |
Unser Ziel Neuseeland's Südinsel Um 18 Uhr, eine Stunde vor Tidenbruch legten wir ab, um noch mit auslaufendem Strom das offene Wasser der Bay of Plenty zu erreichen. Mit achterlichem Wind und ausgebaumter Fock nahmen wir Kurs Ost. Hinter uns verlor sich die Silouette des Mt. Maunganui in der zunehmenden Dämmerung. An seiner Stelle reflektierte das Licht der Stadt im leichten Dunst, der über dem Land lag. Einige Meilen vor uns lag Motiti Island. Etliche Untiefen und Felsen, die dort einige Meter aus dem Wasser ragen, verlangten eine aufmerksame Navigation. Mit Beginn der ersten Wache, hatten wir auch diese Hindernisse hinter uns. Die zu erwartende ruhige Nacht wurde jedoch mit zunehmendem Wind und Speed von acht bis neun Knoten zum sportlichen Ereignis. Am Donnerstagmorgen um neun Uhr, erreichte der Wind mit dem queren von Cape Runaway mit bis 45 Knoten seine höchsten Werte. Unser Bordcomputer verzeichnete einen Topspeed von 12,6 Knoten. Zur selben Zeit prognoszierte Maritime Radio für den betreffenden Küstenabschnitt per VHF 20 Knoten. Nach drei Stunden Dauer, war auch dieser Spuck vorbei. Im Lee des Kaps erfreuten wir uns wieder bester Verhältnisse. Ich hatte inzwischen die Schleppangel mit dem selbstgebauten Köder ausgebracht. |
| BLUE PEARL 04. März 2005 |
Zurück zum Ausgangshafen Mit "neuem" Gegenkurs war es an der Zeit, den Tuna, der geduldig im Kielwasser gewartet hatte, an Deck zu holen, um ihn seiner Bestimmung zuzuführen. Am Freitagabend, knapp zwei Tage nach unserem Ablegen, lagen wir wieder am selben Steg und warteten, dass die BLUE PEARL ein weiteres Mal aus dem Wasser gehoben werden konnte. Wir hatten einige Tage zuvor Paul Sharratt, den Besitzer der AMF Werft kennengelernt. Paul baut seit zwanzig Jahren Aluminium – Motor- und Segeljachten. In seinem neugebauten Betrieb in Tauranga baut er Boote vom Feinsten.... Er selbst sieht sich als den weltweit besten Aluminiumbootbauer....aus der Perspektive des Inhabers müssen wir ihn bestätigen, es ist nichts auszumachen, was noch zusätzlich unternommen werden könnte, um seinen Betrieb zu perfektionieren. Entsprechend sind die hier produzierten Boote.. Die BLACK PEARL, ein ca. sechs Meter Motorboot, das Paul speziell für die Boat Show in Auckland entwerfen liess und gebaut hat, scheint bis in die tiefsten Gründe makellos zu sein. Paul hatte uns auf der BLUE PEARL besucht, und nun lag es an uns seine Dienste in Anspruch zu nehmen. Überrascht, uns schon wieder zu sehen, traf er schon nach kurzer Zeit bei der BLUE PEARL ein. Wir analisierten das Problem und obschon anzunehmen war, dass das meiste Wasser aufgrund der undichten Ruderschaftdichtung eingedrungen war, entschlossen wir uns, das Ruder auszubauen, um weitere Abklärungen zu treffen. Wir hatten schon beim Auswassern in Bundaberg (Australien) erkannt, dass der Skeg - Ruderschaftbereich der BLUE PEARL unterdimensioniert ist, und hatten diesen damals mit zusätzlich eingeschweissten Streben verstärken lassen. Trotz der Auslastung des Hartstandes für die ganze Woche, hob uns Bruce bereits am Montagabend mit dem Travellift auf das Terrain der Bridge Marina. Noch am selben Abend bauten wir das Ruder aus und räumten den achterlichen Stauraum für die anstehenden Arbeiten. Wie ein Arzt analisierte Paul am nächsten Morgen den Skeg. Die durch kräftige Schläge verursachten Vibrationen gaben ihm genausten Aufschluss, wo sich versteckte Bruchstellen befanden, und wie der Skeg und Ruderschaft verstärkt werden musste. In der Folge bestätigte sich seine Analyse. Durch die enorme Hitze der Schweißungen öffnete sich zwischen Skeg und Schaft ein Riss, der zuvor nicht auszumachen war. |
| BLUE PEARL 09. März 2005 |
Am 9. März waren die Reparaturen abgeschlossen
Am Mittwochabend waren die Reparaturen abgeschlossen. Der Ruderschaft war inwendig mit neuen Streben versehen, die Risse zugeschweisst und der ganze Schaftbereich mit einer acht mm starken Manschette zur besseren Verteilung der Lasten verstärkt. Damit sollte dieses Problem für alle Zeiten aus der Pendenzenliste gestrichen werden können.Wieder am Steg ergänzten wir die letzten langfristigen Vorräte, und vereinbarten mit den Zollbeamten die Ausklarierung auf Freitagnachmittag. Wir hatten nun alle vorgesehenen weiteren Anlauforte in Neuseeland gestrichen, und uns vorgenommen als nächstes Ziel Chatham Islands anzulaufen. Am Freitag stellten wir fest, dass die langfristige Prognose Südost sein wird, genau die Richtung, in der unser Ziel liegt. Also, strichen wir den Termin mit den Behörden bis auf Weiteres. Unsere Aufenthaltsbewilligung wird am Sonntag, dem 13. März ablaufen. Aufgrund der speziellen Situation aber wird unser Aufenthalt hier in Neuseeland bis günstige Winde uns das Auslaufen erlauben, geduldet sein. ......Unser nächstes Ziel war nun die Bootsmesse in Auckland.......
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| BLUE PEARL 12. März 2005 |
Boat Show in Auckland Das absolute Highlight war die ausserhalb der Messe, im Hafen liegende SPIRIT OF ATVENTURE eine 65 Fuss Segeljacht. Diese wurde auf der Basis von Open 60s mit seitlich schwenkbarem Kiel, und allem drum und dran vor kurzem hier in Auckland gebaut. Schon nach kurzem Dialog wurden wir von Allen einem Mann von Martensyacht, der just im Begriff war sich in einen Tauchanzug zu zwängen, aufgefordert, uns die 19.5 Meter lange, und einige Millionen teuere Jacht von innen anzusehen. Wie die F1 im Autorennsport zählen die Open 60s zur Königsklasse im Jachtrennsport. Mit der „Owen Clarke 65“ einem „Cruising offshore roader“, hat der Designer neue Grenzen gesetzt. Ein Ferrari zu Wasser, dessen schnelle Rumpfform „übernommen aus der Königsklasse“, gepaart mit dem Komfort von Luxusjachten, es dem Eigner ermöglichen, allein mit über zehn Knoten Grundspeed an jeden beliebigen Ort zu segeln. Weder eine Familienkutsche, noch ein Gerät für jedermann...... Und eben diese Einmaligkeit, das noch nicht Dagewesene, gibt dieser Jacht das exotische Flair, eine Spannung, die sich nicht so schnell verflüchtigt... sie zieht den Betrachter in ihren Bann. Was unser Eindruck unter Deck betraf, lässt sich am besten mit dem Text eines Yachting World Artikels beschreiben . Eindrucksvoll unter Deck.... Während auf Racern wegen des Mehrgewichtes oft auf Komfort verzichtet wird, ist die SPIRIT OF ATVENTURE nicht nur das ‚racy' aussehende Spielzeug. Sie wurde designed zum Segeln langer Distanzen, um entfernte Ziele zu erreichen, das zeigt sich auch unter Deck.Bevor du den ersten Schritt durch den ovalen, als wasserdichtes Schott gearbeiteten Niedergang machst, lenkt der auffällige Mix von blauem Trimm, gelben Polstern, und hellem Holz die Aufmerksamkeit auf sich. Treffend umschrieben mit Mc Donalds trifft IKEA. Mit diesem Look wird klar.... dies ist kein traditioneller Cruiser..... Unsere Aufmerksamkeit galt mehr den technischen Details.... Im Laufe der aufkommenden Diskussion erhielten wir in kurzer Zeit, viele für uns wertvolle Informationen. Da Martenyacht ausschliesslich hochstehende Karbonjachten baut, empfahl uns Allen, das Deck unserer nächsten Jacht in Karbon oder Polyester Composit zu bauen. (Einige Stunden später sahen wir in einer Filmvorführung und einer Demonstration an einem Modell, wie Bootsrümpfe und Decks im Composit- Vakuumverfahren in der Praxis erstellt werden.) Wir muten uns den Bau eines Negativs für das Deck unserer nächsten Jacht zu.... zudem waren wir von dem Vakuumverfahren derart begeistert, dass wir nun in Betracht ziehen, das Deck unserer nächsten Aluminiumjacht in dieser Ausführung selbst zu bauen. Damit kann einiges an Mehrgewicht, das aufgrund der gewünschten, sehr starken Rumpfkonstruktion unvermeidlich ist, kompensiert werden. Im Weiteren vernehmen wir, dass die Jacht trotz extremer achterlicher Breite, auf am Wind Kursen gute Eigenschaften aufweist. Aufgrund des für Cruiser einmaligen seitlich schwenkbaren Kiels, bleibt die Krängung in Grenzen, was sich günstig auf das Verhalten der Jacht auswirkt. Mit einem achthundert Liter-Tank im Heck, wird die Jacht auf Vorwindkurs getrimmt. Voll von neuen Ideen fuhren wir heimwärts .....Richtung Süden, wo die BLUE PEARL geduldig am Steg der Bridge Marina schwojend, auf uns wartete. Wo sie auch noch die nächsten Tage lag, da sich ein über Neuseeland liegendes stationäres Hoch statt zu verschieben, geplagt von seitlichen Tiefs, sich um die eigene Achse drehte. |
| BLUE PEARL 16. März 2005 |
Mit Edi in die Luft Am 16. März fragte uns Edi, ein Schweizer Segler, der zusammen mit seiner Partnerin Almuth die letzten Jahre hier in Neuseeland mit Segelfliegen ein neues Hobby gefunden hatte, wiederholt, ob wir mit ihm fliegen wollten. Da die letzten Tage mit Warten dahinflossen, fanden wir, es sei nun an der Zeit, mit Edi in die Luft zu gehen..... Es war ein tolles Erlebnis. Komischerweise fand ich den ganzen Flug so selbstverständlich, als ob ich jeden Tag in einer solchen Kiste liegen würde. Tauranga aus der Vogelperspektive zu sehen, war unser letztes Abenteuer in Neuseeland. Am nächsten Tag war es dann soweit. Ein aus Norden kommendes Tief war entgegen jeder Norm in Richtung Südwesten bis an die Ostküste Neuseelands vorgedrungen. Der Besitzer der Tankstelle erzählte Anita, dass das Tief im Verhalten gewisse Merkmale eines Zyklon aufweise. Ich hatte gehört, dass das Tief die restliche Energie eines auslaufenden Zyklons sein soll. Das alles können wir nicht bestätigen, da wir das Wetter, und somit den Verlauf dieses Tiefs im Norden nicht beobachtet hatten. Jetzt galt es, diese kurze Chance zu nutzen, so dass wir dann, wenn sich das Tief laut Prognose wieder vom Land absetzt, und der Südost erneut überhand nimmt, wir uns schon im Rücken dieser Wetterlage befinden. Dennoch löste dieser übereilte Aufbruch einige Diskussionen aus. Da diese Wetterlage vier Meter hohen Schwell mit an die Küste gebracht hatte, brauchte Anita noch etwas Anklimatisierung, um sich auf die uns erwartenden Verhältnisse einstimmen zu können. Bevor der Vormittag vorbei war, hatten wir uns mit Frischprodukten versorgt, den Zollbeamten die Zeit unseres Aufbruchs bekannt gegeben, und uns von unseren Freunden im Hafen verabschiedet. Als wir dann vom Steg ablegten, dröhnte ein Horn aus dem Fenster des Hafenbüros, von wo wir winkend verabschiedet wurden. Wir hatten uns an der gegenüberliegenden BP Tankstelle erkundigt, ob wir nach dem Ausklarieren zollfrei Diesel tanken können. Das Angebot war um einen Drittel günstiger als in der Marina, was bei der Menge die wir bunkern wollten, ins Geld ging.Die Zöllner hatten ihre Mühe damit, weil sie uns die Ausklarierungspapiere in einem versiegelten Kuvert überreichten. Wir sollten dieses auf Chatham Island der zuständigen Person überreichen. Da wir nun über keine Ausklarierungspapiere verfügten, sollten wir das Original der Einklarierung an der Tankstelle abgeben, und sie wollten es dort abholen. Als wir nach über einer halben Stunde Wartezeit dort anlegten, warteten die zwei schon ungeduldig darauf, dass sie ihre Formalitäten beenden konnten. Da eine nach Chatham Island auslaufende Segeljacht für die Behörden in Tauranga neu war, hatten sie sich auf dieses Ausklarierungsprozedere festgelegt und es bis zum Ende durchgestanden. Beim Verlassen des riesigen Naturhafens von Tauranga, in die grosse, nach Nordost offene Bay of Plenty, schlug der Schwell schäumend gegen die Küste, und wurde als feiner Wasserstaub vom Wind davongetragen. Im Lee des Mount Maunganui waren wir jedoch bestens geschützt gegen die anschwellenden Massen. In tieferem Wasser zeigte es sich, dass die Dünung derart lang war, dass sie unsere Jacht nicht aus der Ruhe bringen konnte. Im Gegensatz zu unserem ersten Versuch, wo wir mit 9 Beaufort einen nicht angesagten Sturm abzuwettern hatten, fehlte es uns an genügend starkem Wind, so dass die Schiffsbewegungen die Segel zum Killen brachten. |
| BLUE PEARL 17. März 2005 |
Auf Südostkurs unterwegs zu den Chathams Nach einigen Stunden Fahrt unter Motor, setzte mit dem Einbruch der Nacht Südwind ein, der uns unter Segel flott in Richtung Ost Cape brachte. Am Freitag waren die Verhältnisse unbeständig, mit dem Erreichen des Ost Capes aber setzte sich Südwestwind in Sturmstärke durch. Das Tief, in oder auf dessen Rücken wir die Chathams erreichen wollten, hatte sich mit der Annäherung an das Festland komprimiert, so dass sich entlang der Küste eine Front mit vierzig Knoten Windstärke bildete, die wir zu Queren hatten. Mit zunehmendem Abstand zum Cape, setzte der Sturm seine Wellen auf die zuvor schon bestandene hohe Dünung, was wiederum ausmachte, dass wir beide die Nacht schlaflos hinter uns brachten. Am Samstag Morgen war es ausgestanden. Die weitere Reise verlief planmässig. Der Tuna, der unsere Speisekarte in diesen Tagen dominierte, hatte sich schon am ersten Tag mit uns angelegt. Gegen das Ende des Trips lockerte sich in der Nacht sogar ab und zu die Bewölkung auf, so dass wir den südlichen Sternenhimmel bewundern konnten. Hier begleitet uns das Kreuz des Südens, aber auch der Orion lässt sich leicht ausmachen. Am zweiten Tag war eine Inspektion des Motorraums fällig....Anita hatte in der Bilge Wasser ausgemacht. Es bestätigte sich, dass das Heck im Bereich des Skegs wie erwartet keine Probleme mehr aufwies und trocken war. Mit den Reparaturarbeiten wurde die richtige Firma betraut, was zu einem sauberen und dauerhaften Ergebnis geführt hatte. Die Schraubenwellendichtung aber, die ich in Kapstadt vor Jahresfrist mit einer Wartungsfreien Dichtung von VETUS ersetzt hatte, machte Wasser. Dem konnte mit einem speziellen Fett abgeholfen werden, das über eine Schraubenöffnung in die Dichtung eingefüllt wird. Die Dichtung sollte zu einem Drittel mit dem geleeartigen Fett gefüllt werden.... Da das Ergebnis der Arbeit nicht sichtbar ist, bleibt das ganze weiterhin Glückssache.... Erfreulicherweise konnte das Leck damit ohne Einschränkung trockengelegt werden. Die Wasserpumpe, der ich in Auckland neue Dichtungen eingesetzt hatte, leckte bereits wieder, was aufgrund des vom Frostschutz grün gefärbten Wassers in der Motorenbilge, dessen Herkunft "aus unserem geschlossenen Kühlsystem", leicht auszumachen war. Wir hatten diese Dichtung bereits wiederholt ersetzt, und damit jeweils für einige hundert Motorenstunden Erfolg gehabt. Hatte ich die Dichtung beim Einbau verletzt?? Mit diesem Aufenthalt in den Gründen der BLUE PEARL zeigte die See zum ersten Mal Wirkung auf meinen gesunden Appetit... Selbst die gebratenen Tunfischfilets konnten mich weder an diesem, noch am nächsten Tag an die Krippe bringen. Eine Suppe war den Verhältnissen angepasst.... Sollte sich mein Gewicht auf dieser Fahrt reduziert haben, ist das ausschliesslich meiner tugendhafte Zurückhaltung zuzuschreiben. Die gebratenen Filets assen wir später in Stücke zerkleinert, „zu Reis“ an einer Tomatensauce mit Zwiebeln und Knoblauch, gewürzt mit Oregano & Basilikum, sowie verschiedenen weiteren Gewürzen. Das ganze von südafrikanischer Herkunft, mit italienischem Einschlag. |
| BLUE PEARL 21. März 2005 |
Chatham Islands Mit raumem Wind näherten wir uns am Montag den Inseln, die sich uns gegen Abend im Dunst des Horizontes zeigten. Bis wir den Anker in der Waitangi Bay fallen lassen konnten, war es schon nach elf Uhr. Als wir bereits vor Anker lagen, lichtete sich der Himmel. Im gleissenden Mondlicht wurde unsere Umgebung sichtbar, die wir unter einer finsteren Wolkendecke unterstützt durch GPS und Radar angefahren hatten. Im Mondschein waren die grosse Mole, und selbst die wenigen Häuser des Dorfes auszumachen. Am nächsten Morgen beobachteten uns die auslaufenden Fischer mit neugieriger Zurückhaltung. Mit dem Besuch auf der Polizeistation regelten wir unser Aufenthalt auf der Insel. Im versiegelten Kuvert, das wir dem hiesigen Polizisten vom Zoll in Tauranga mitbrachten, fanden sich unsere Ausklarierungspapiere, sowie die Visitenkarte des bearbeitenden Beamten. Nach Rückfrage in Tauranga erhielt der Polizist die Anweisung, uns das Papier nun zu übergeben, da wir dieses beim Einklarieren in Tahiti vorweisen müssen. Da hatte man sich in Tauranga mit unserem Abgang viel Aufhebens um nichts gemacht,.....uns soll es recht sein, wir wurden dabei stets sehr anständig und zuvorkommend behandelt. Auf der Inselgruppe, die zur Hauptsache aus Chatham der Hauptinsel, sowie der kleinen Nachbarinsel Pitt besteht, leben zurzeit etwa siebenhundert ständige Bewohner, die sich aus Maoris und Weissen zusammensetzen. Neben der Golfanlage die wir vorfanden, betreibt der Jockey Club seit Anfang des letzten Jahrhunderts seine eigene Rennbahn, die bei unserem Besuch just von Schafen gemäht wurde. Leute beider Geschlechts suchen sich mit ihren Vierrad Motorbikes entlang des langen Sandstrandes und in den Dünen Abwechslung. Einige Zeitungsausschnitte und Fotos, die in der Bar des Hotels an der Wand hängen, zeigen, dass vor einigen Wochen mehrere Dutzend Wale auf einem Sandstrand der Insel gestrandet waren. Auf den Chathams finden sich kaum Touristen. Als wir vor Anker lagen, traf ein altes Frachtschiff ein, das in zwei Tagen entladen, und dann mit Schafen und anderen Gütern beladen wurde. Ausser den örtlichen Fischern mit ihren kleinen Booten, war während unseres Aufenthaltes keine weiteren Verkehrsfrequenzen auszumachen. Zu dieser Zeit war das Wetter im Süden recht aufgemischt. Die Wetterlage, die sich über 40° Süd ständig von Westen in Richtung Osten dreht, und wo sich meistens Tief an Tief reihen, war derzeit mit kräftigen Hochs durchsetzt. Weiter im Norden fanden sich Tiefs, die tendierten, in das südliche Wettersystem einzudringen. Dadurch wurde die absehbare Wetterentwicklung für uns zur Lotterie. |
| BLUE PEARL 24. März 2005 |
Kurs Tahiti Doch schon am Sonntag war es mit der Ruhe vorbei; als wir am Lineardrive einen unreparierbaren Lagerschaden feststellen mussten. Da dieses Stück auf der BLUE PEARL nicht als Ersatzteil vorhanden ist, war nun Steuern von Hand angesagt. Die ersten zwei Stunden lebten wir mit der Hoffnung, das Ding irgendwie notdürftig reparieren zu können. Nach dem Ausbau der Antriebseinheit, und dessen Zerlegung, zeigte sich, dass dem Schaden mit Bordmitteln nicht beizukommen war. Wir befanden uns derzeit auf 42°40 Süd und 167°30 Ost. Neuseeland lag 1000 sm im Lee. Dorthin zurückzusegeln, bedeutete gegen den Wind anzukämpfen, der uns derzeit ostwärts trieb. Und das Ergebnis wäre, nach einer unbestimmt langen und harten Zeit, in Neuseeland wieder von Null zu beginnen. Vor uns lag Tahiti 2000 sm in Front. Wir entschieden, uns vorwärts zu orientieren. Das Land der Albatrosse...... Wäre der Titel, den ich diesen Breiten geben würde. Der ewige Horizont, der ständige Begleiter auf unseren Reisen, der den für uns sichtbaren Radius begrenzt, in dessen Sichtweite sich jedoch so viele, sich ständig wechselnde Ereignisse beobachten lassen, dass nie auch nur der Gedanke an Langeweile aufkommt. Des nachts sind es die Sternengebilde, die hier im Süden von der Konstellation des Orions, dem Kreuz des Südens, dem Skorpion, und vielen anderen mehr, dominiert werden. Daneben die Millionen weisser Punkte, die sich im Bereich der Milchstrasse zu einem weissen Schleier verdichten. Am Tag die Wolkendecke, die in südlichen Breiten vorherrscht, und wirklich sonnige Tage zur Seltenheit werden lassen. Die Sonnenuntergänge, deren Strahlen die ganzen Wolkengebilde von unten beleuchten, ein Schauspiel, dessen Farbe vom glühenden Gelbrot zum graugefärbten Pink wechselt. Die Sonne, deren glühende Masse am Horizont zu zerfliessen scheint...... Die See, die sich uns in Tausend Nuancen und Farben zeigt.... In ihrer Flugposition bildet ihr Körper der höchste Punkt.. Ihre langen schmalen Flügel bilden nach unten einen Bogen.. Mit den Flügelspitzen berühren sie zum Teil die Wasseroberfläche.. Harmonisch passt sich ihr Flug der bewegten Wasseroberfläche an. Ohne einen Flügelschlag gleiten sie in ständigem Kontakt zu dem Wasser durch Wellentäler und über deren Kämme. Ein Spiel, das den Beobachter ständig von neuem fasziniert. Ab und zu ziehen sie ihre Bahn wiederholt nahe an dem Cockpit der BLUE PEARL vorbei. Es scheint unser Interesse an diesen Gleitern beruht auf Gegenseitigkeit. Oft setzen sie sich vor dem Schiff ins Wasser, um uns beim Vorbeitreiben in Ruhe betrachten zu können. Die Albatrosse inspirieren uns, so wie sie sich mit dem Horizont verschmelzen, halten sich unsere Gedanken an keine Grenzen, ist auf der BLUE PEARL alles in Ordnung, ist es die Zeit, wo wir mit ihnen auf Reisen gehen..... Doch in den letzten Tagen hatte sich unser Leben an Bord grundlegend geändert. Unsere Tage waren aufgeteilt in 12 Stunden Rudergehen, und 12 Stunden Freiwache, die wir zum grossen Teil zu unserer Erholung brauchten. Die Downwindkurse brauchten unsere ganze Aufmerksamkeit beim Steuern. In der Nacht wurden die Augen zum Teil vom Licht der elektronischen Geräte, nach denen wir steuern, derart überfordert, dass sich während der drei Stunden Wache, die Zahlen zum unkenntlichen Mix auflösten, und das Rudergehen zum Chaos wurde. Nach der Freiwache aus dem tiefen Schlaf gerissen, brauchte es einige Zeit, um wirklich wach zu werden... Hatte der Wind gewechselt, waren die während der letzten Wache gebrauchten Daten nicht mehr gültig. Oft waren diese dann aber noch wie unauslöschlich, und entsprechend irreführend präsent. Knallte dann der Wind von Back in das durch die Bullentalie gesicherte Grosssegel, kam das Erwachen mit einem Schlag. So schlugen wir uns durch die Zeit. Anita war von dem ständigen Effort zusehends gezeichnet, und als sie verlauten liess, dieser Trip mache sie um zehn Jahre älter, fehlte nicht viel, und ich hätte ihr trotz der Übertreibung geglaubt.. Auch mein Gesicht im Spiegel betrachtet, gefiel mir nicht. Ab und zu verpasste ich mir eine Rasur, um mich wieder wie ein Mensch zu fühlen. In dieser Zeit querten uns zwei Tiefs in Sturmstärke, die uns neben der Faszination die dessen Seen auf uns ausüben, doch recht happig gefordert hatten. Die Bugkoje füllte sich zusehends mit ungewaschenen Kleidern, und unsere gemeinsame Koje, in die wir täglich duzende Male, mehr oder weniger ausgezogen schlüpften schmeckte auch nicht mehr nach grünen Äpfeln. Als wir dann einige Tage vor der Ankunft in Tahiti über Nacht in die warmen, und einen Tag später „heissen“ Tropen vorstiessen, wendeten sich diese Verhältnisse nicht zum Bessern. Wir hatten zusehends Mühe, in der für uns ungewohnten Hitze, Schlaf zu finden, was zu einem Zustand dauernder Erschöpfung führte, und uns das Leben, trotz des zunehmend schönen Wetters zur Tortour werden liess. Unter Deck waren die Verhältnisse besonders prekär, da es der immer noch hohe Seegang nicht zuliess, dass wir Lucken öffnen konnten. Wir machten uns daran, unsere Doradenlüfter, die wir im Süden wasserdicht verschlossen hatten, zu öffnen, und deren Hutzen aufzusetzen, was kaum spürbare Erleichterung brachte. In dieser Zeit gelang es uns, per SSB Funkkontakt mit der MEWA „Miriam und Herbert“ aufzunehmen, die sich auf der Barfussroute, unterwegs zu den Markuesas befanden. Auch NYALI „Ruth und Rene“ auf dem Weg nach Mexiko, konnten wir zu unserer Überraschung in bester Qualität empfangen. Diese Kontakte mit unseren Freunden, die uns bereits im hohen Norden Grönlands, und in der Antarktis begleitet hatten, gaben uns Auftrieb. Die eine oder andere Dusche im Heck der BLUE PEARL verhalf im Weiteren dazu, dass wir uns mit der Ankunft in Tahiti wieder wie Menschen fühlten, und das Lachen in unsere Gesichter zurückgekehrt war. Wir hatten nun zweitausend handgesteuerte Seemeilen in genau zwei Wochen hinter uns. Davon hatten wir in einer Nacht mit wenig Wind, ein paar Stunden unter Kutter, bei festgezurrtem Steuer, in Richtung Norden driftend geschlafen. Ein weiteres Mal konnten wir mit einem Kurs am Wind das Steuer mittels Gummistruppen festzurren, so dass wir einen Tag nicht selbst zu steuern brauchten. Durch die Flexiblität der Gummis konnte das sich bewegende Ruder auch die damals hohen Wellen aussteuern, und die BLUE PEARL auf Kurs halten. Im Weiteren hatten wir die Datumsgrenze übersegelt. Wir hatten es gewusst, waren aber überrascht, dass wir in Tahiti nebst der Stunde Zeitverschiebung, unsere Uhren um einen Tag zurückstellen mussten. Das erinnert stark an die Geschichte von „In 80 Tagen um die Welt“, wo der betreffende seine Wette bereits verloren glaubte, und sich dann doch als Sieger im Klub einfand. |
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