BLUE PEARL
04. Mai 2005 |
Von Tahiti zum Penrhyn Atoll
Ich beginne mit dem 4. Mai, als wir uns in Tahiti ausklarierten, um trotz der nur notdürftig, oder nicht reparierten Mängel an der BLUE PEARL, unsere Reise in Richtung Äquator fortzusetzen.
Geprägt wurde dieser Morgen dadurch, dass für die von uns geleistete Sicherheit im Wert von 1500 US$, in der Art eines Bond, uns von der Bank Socredo nur deren 1188 US$ zurückerstattet wurden. Die Differenz verflüchtigte sich als Währungsverlust. Dazu kommen die bezahlten Spesen, und der Währungsverlust durch die Überweisung unserer Bank von SFr. in Poly. Franc. Dabei hatten wir Glück, denn die Behörden forderten anfänglich den Bond über den doppelten Betrag.
Nachdem wir an der Tankstelle in der Taina Marina Diesel gebunkert, und uns von den kanadischen Freunden Jennifer und Rob von der SY SOONER am Steg verabschiedet hatten, passierten wir die Durchfahrt aus dem Riff, und nahmen Kurs Nordost.
Unser nächstes Ziel Penrhyn, eine der nördlichen Cookinseln. Fünf Tage und ein paar Stunden später, ankerten wir in den ersten Morgenstunden an der windgeschützten Westseite vom Penrhyn Atoll, auf 9 Meter Tiefe. Wir hatten während der ganzen Fahrt beste Verhältnisse, mit zwischen zehn bis zwanzig Knoten Wind von achtern.
Am nächsten Morgen staunten wir, als unser Anker inmitten eines Korallenfeldes lag, was im spiegelklaren Wasser, leicht auszumachen war.
Wir hatten uns in der Nacht mit Radar und GPS auf einen in der Karte verzeichneten Ankerplatz gesetzt, und waren entsprechend überrascht, nun diese Verhältnisse vorzufinden.
Nun wurde es Zeit, das naheliegende Dorf aufzusuchen, um unsere Ankunft den Behörden zu melden. Nachdem wir mit dem Beiboot die Passage in das Atoll geentert hatten, waren wir wie erwartet dem Schwell ausgesetzt, der sich im Innern des Atolls auf der dem Wind zugewandten Seite der Landzunge aufzubauen vermochte. Im Dorfhafen lag ein alter Frachter vertäut, von dem mit einem primitiven Schiffskran Ware entladen wurde.
Daneben stand ein uralter Bedford Laster, dessen Karosserie zum grössten Teil entfernt war. Der Fahrer im Freien sitzend, war im Begriff, sich mit einer Ladung 200-Liter Fässer, die mit Flugzeug-Kerosin bezeichnet waren, auf den Weg zu machen.
Auf die Frage nach dem Custom Office, wurden wir zum Bankgebäude verwiesen, wo wiederum niemand wusste, wo diese Person aufzufinden war. Hier empfingen uns die Leute, als wären wir vom Weihnachtsmann, da sich ihnen womöglich die Gelegenheit zum Tausch, oder Handel bot.
Eine Frau löste zwei winzige gelbe Perlen aus dem Taschentuch, und offerierte sie uns für 50 US$, womöglich der zehnfache Preis des wirklichen Wertes.Ein Mann versuchte uns in sein Haus zu lotsen, wo seine Frau eine Boutique mit selbstgemachten Souveniers betrieb.
Einige Zeit später fanden wir den Zollbeamten zusammen mit Freunden in einem schattigen Hauseingang am Boden sitzend.
Wir hätten die Jacht in das Innere des Atolls zu verholen, damit er uns einklarieren könne, liess er uns wissen.
Unwillig fügten wir uns dieser Forderung, bedingten jedoch ein paar Stunden Frist, da wir ab unserem derzeitigen Ankerplatz einen Tauchgang machen wollten. Die Unterwasserwelt mit ihrer fantastischen Fauna, und einem nichtgeahnten Fischreichtum, zeigte sich uns alsbald von der besten Seite.
Nebst einem grossen Schwarm Barracudas waren Koralltrouts zu sehen, und selbst ein ansehnlicher Riffhai kreuzte unseren Weg. Selten, dass sich uns ein Tauchplatz schon beim ersten Tauchgang in dieser Vielfalt präsentiert.
Gegen Abend suchten wir uns mit der BLUE PEARL einen Weg durch die Untiefen in der Lagune, und setzten uns vor dem Dorf auf zwanzig Meter Wassertiefe vor Anker.
Der Zollbeamte wartete bereits an der Mole darauf, von uns an Bord geholt zu werden.
Schon während er seine Schreibutensilien auf unserem Salontisch ausbreitete, machte er darauf aufmerksam, dass uns das Einklarieren eine Stange Geld kosten werde.
Alles zusammengerechnet ergab sich für die ersten Tage ein Betrag von 180 NZ$, etwa 150 SFr.
Wir weigerten uns, für diesen Betrag einzuklarieren. Der Beamte zeigte sich verständig, und meinte, dass das wohl der Grund sei, dass nicht mehr als eine Handvoll Jachten jährlich Penrhyn anlaufen würden. Wir einigten uns, dass wir die Nacht ausserhalb des Atolls ankernd verbringen, und uns am nächsten Morgen auf den Weg machen würden.
Nachdem er unser Schiff inspiziert hatte, und uns zu verstehen gab, was er alles dringend gebrauchen konnte, und wie schlecht die Versorgung der Insel doch sei, verliess er reich beschenkt die BLUE PEARL.
Er hatte uns zwei weitere Nächte ausserhalb des Atolls zugestanden, und wollte uns am nächsten Tag wieder besuchen.
Als wir im Begriff waren, aufzuankern, verfing sich die Ankerkette unter einem grossen Korallenkopf. Da unsere Tauchausrüstung noch bereit lag, war ich schnell in Montur, um unser Ankergeschirr zu klarieren. Mit dem letzten Tageslicht „kurz vor sechs Uhr“, suchten wir uns den Weg aus der Lagune. Am nächsten Morgen, es war der 11. Mai überzeugte uns ein frischer Südostwind, dass es Zeit war, uns auf den Weg zu machen.
Nach zwei Stunden flotter Fahrt, schlief der Wind jedoch ein. Sollte das unser Los für die nächsten Wochen sein, 3000 Seemeilen entlang des Äquators mit fünf bis zehn Knoten Wind, und immer mitlaufendem Motor??
Nachdem wir in Neuseeland nicht aus den Startblöcken kamen, hatten wir in Tahiti um weitere Wochen überzogen, und waren jetzt in einer Situation, wo wir die zehntausend Meilen über Japan zu den Aleuten fast ohne Stop durchfahren mussten, um Anfang Juli in Alaska anzukommen. Die Route via Hawaii war um die Hälfte kürzer, und passte derzeit perfekt in unsere Zeitvorgabe......
Wir hatten seit Tahiti bereits über vierhundert Seemeilen West gemacht, es war nun die letzte Gelegenheit, die Japanroute fallen zu lassen um stattdessen Kurs auf Hawaii anzulegen.
Hawaii!!! Wie ein Blitz der Erleichterung traf mich dieser entscheidende Gedanke. Die Route, die ich bis zu diesem Zeitpunkt ausgeschlossen hatte, nahm zunehmend Gestalt an... Endlich fühlte ich den ständig zunehmenden Zeitdruck von mir weichen... Nachdem wir die Situation zusammen besprochen hatten, dauerte es nur wenige Minuten, und wir waren auf Kurs Nord - Nordost mit Ziel Hawaii.
|
BLUE
PEARL
|
....Neuer Kurs Hawaii..... 11.00 Uhr Pos. 08°50 Süd 158°10 West
Lautete der Eintrag am Mittwoch dem 11. Mai im Logbuch. Seit Langem fühlte ich mich nicht mehr so leicht und frei. Nun konnte ich nachempfinden, dass das Leben ohne Zeitdruck ein spürbar höheres Mass an Lebensqualität bietet. Die nächsten Tage mit Kurs Äquator waren trotz mässigem Wind, so locker wie seit Langem nicht mehr.
Der Eintrag im Logbuch am Sonntag dem 15. Mai ...Wieder kein Wind wir setzen Segel back und driften.....
Am 16. Mai um 19.55 Uhr überquerten wir den Äquator auf 156°16 West, nach den zwei Überquerungen im Atlantik nun zum dritten Mal. Ein Ereignis, das wir auf der BLUE PEARL feierlich zu würdigen wussten. Die folgenden zwei Wochen waren ein ständiger fight am Wind, wie wir es vor Jahren erlebt hatten, als wir von Kapstadt, den Atlantik hoch, nach Europa segelten.
Das ständige Bemühen, gegen den Nordostwind genug Höhe zu laufen, wurde uns vereitelt, weil eine starke Strömung uns nach Westen versetzte. Selbst der in den Karten verzeichnete Konterstrom, der nach dem Äquator in Richtung Osten setzen sollte, war nicht auszumachen.
Das neue voll durchgelattete Grossegel entpuppte sich als aerodynamisches Wunder, das Unterwasser war schnell wie schon lange nicht mehr, die Rollgenua, der die Zeit zugesetzt hatte, verhielt sich jedoch wie ein Sack am Vorstag, und wir bedauerten, dass wir dieses Segel nicht auch in Neuseeland durch ein Neues ersetzt hatten.
Dennoch liefen wir gute Etmale, verloren aber unser angestrebtes Ziel, die Insel Hawaii ständig mehr aus den Augen.
|
BLUE PEARL
26. Mai 2005
|
Hawaii
Am Donnerstagabend dem 26. Mai liefen wir im Honolulu Yachtclub Hawaii ein. Wir hatten Honolulu auf der weiter westlich in der Inselkette liegenden Insel Oahu angelaufen. Wie es der Zufall wollte, hatten wir für unsere Hawaii - Post die Adresse dieses Clubs angegeben.
In der Folge erwies sich der Yacht Club als äusserst günstig, und seinen Gästen gegenüber sehr aufgeschlossen. Vor dem Jachtclub gingen wir bei der SHADES OF BLUE längsseits, einer kanadischen Jacht deren Eigner Fred und Mary uns über VHF aufgefordert hatten, bei ihnen anzulegen.
Nun nahmen sie unsere Leinen entgegen, und obwohl uns Fred später wissen liess, dass er keinen Kontakt zu anderen Seglern suche, und schon besetzte Ankerbuchten meide, wurden wir während des Aufenthalts in Honolulu gute Freunde.
Hier abseits der Weltumseglerroute waren kaum Jachten auszumachen, die nicht unter kanadischer Flagge, oder in der USA registriert waren. Einige von ihnen waren auf dem Weg in den Süden, während andere, wie wir von dort kamen und bestrebt waren, den Kontinent zu erreichen.
Um günstige Windbedingungen erwarten zu können, muss das in dieser Jahreszeit das im Norden der Inselkette stationäre Hochdruckgebiet umsegelt werden, womit oft weit über tausend Seemeilen Umweg in Kauf zu nehmen sind.
Einige Jachten, die Kurs auf südliche Ziele anlegen, queren das Hoch mit Motorenpower, um sich den weiten Umweg im Nordwesten zu ersparen. Wenn dann der Sprit knapp wird, brauchen sie oft mehr Zeit, um ihr Ziel zu erreichen, als wenn sie den beträchtlichen Umweg gewählt hätten.
In Alaska erreichte uns ein Email von der SY HORIZON. Marcy und Josepf die wir in Honolulu trafen, hatten den „kurzen“ Weg von Honolulu nach Kalifornien gewählt, und waren derzeit bereits über zwanzig Tage unterwegs.
Von Flauten und Gegenwind gebeutelt, gaben Sie der Hoffnung Ausdruck, Südkalifornien in weiteren fünf Tagen zu erreichen.
Honolulu gefiel uns auf Anhieb sehr gut. Im Gegensatz zu Papeete auf Tahiti, trafen wir hier auf eine moderne Grosstadt mit entsprechend gigantischen Bauten, deren Bewohner sich eines gehobenen Lebensstandart erfreuen. Einzig im Park treffen wir auf eine ansehnliche Anzahl Glochard's, deren Status wohl mehr auf ihre Lebensauffassung zurückzuführen ist, als dass sie Ausgestossene der Gesellschaft sind.
In Hawaii, wo es nie Winter wird, lässt sich auch im Park gut leben.
Einige unter ihnen scheinen das Sammeln und Horten doch nicht lassen zu können. Überladen und mit ‚geliehenen', vollbepackten Einkaufswagen, treffen wir sie, wenn sie den Rastplatz wechseln.
Honolulu mit ca. 400`000 Einwohner, ist die Hautstadt der Inselkette „Hawaii“, die aus acht Hauptinseln 124 Inseln und zahlreichen Atolls besteht, und insgesamt ca. 1,2 Millionen Einwohner zählt.
Früher waren Ananas und Zuckeranbau die Haupterwerbsquellen, heute ist der Tourismus führend, doch auch die Industrie und der Marinehafen „Pearl Harbour“ bieten viele Arbeitsplätze.
Als Capitan Cook 1778 die Inseln entdeckte, waren diese autonom, jede von ihrem Chief regiert. Später übernahm der Chief der Hawaiiinsel nach einer Serie von Kriegen die Autorität auf den Nachbarinseln, woraus ab 1819 das Königreich Hawaii wurde.
1893 war es mit der Monarchie zu Ende, und seit 1959 ist Hawaii der 50. Staat der USA.
Am 7. Dezember 1941 wurde Pearl Harbour von den Japanern angegriffen, worauf die USA mit den Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki antwortete.
|
BLUE PEARL
30. Mai 2005 |
Memorial Day
Auf der Insel gibt es viele Anlässe zum Feiern. Noch nie sahen wir in so kurzer Zeit so viele Feuerwerke am Nachthimmel, die nicht angesagt werden, und deren Herkunft nicht öffentlich bekannt ist. Der Memorial Day am 30. May wurde mit grossem Aufwand zelebriert.
Im Ala Moana Park gegenüber der Marina wurden Plattformen für Aufführungen, und Türme für grossflächige Filmleinwände und Lautsprecheranlagen erstellt. Bereits am frühen Morgen fanden sich die ersten campierenden Besucher ein. Bis zum Abend war auch der letzte Winkel von Gästen besetzt. In Sippen, Vereinen und jeder Art von Gruppierungen, wurde gebraten und geschlemmert was das Zeug hergab.
Am späteren Abend fanden sich dann noch viele Tausend weitere Gäste am Strand ein, um dem angesagten Zeremoniell beizuwohnen. Die Zeremonie wurde dann zur Hauptsache in polynesisch abgehalten. Obschon die Hawaiianer ein multinationales Volk sind, ist man sich hier der Tradition bewusst.
Als Höhepunkt wurden viele Lichter auf Flossen in die auslaufende Tide gesetzt, die als Lichterteppich in Richtung Riff treibend ein ergreifendes Schauspiel boten.
Sie sollten an die Gefallenen im zweiten Weltkrieg erinnern.
Beim Besuch des polynesischen Kulturcenters, das von Studenten geführt wird, wurde uns von den jungen Leuten vieles über das Leben der Sippen in damaliger Zeit erklärt.
Am Sonntag dem 11. Juni trafen wir in der Stadt unerwartet auf einen Umzug. Es war wie wir erfuhren, das staatliche Fest zu Ehren des Königs Kamehameha.
Viele Organisationen, selbst die Polizei und Navy, sowie verschiedene Univärsitäten und Colleges waren mit ihren Musikgruppen, vertreten, oder defilierten in ihren prächtigen Uniformen zur allgemeinen Begeisterung durch die Strassen.
Keine Frage, die Hawaiianer verstehen das Leben zu geniessen.
Ein walk auf den Diamond Hill, ein grosser Vulkankrater, dessen höchste Hügel im zweiten Weltkrieg als Festung ausgebaut wurden, bot uns Sicht auf die Stadt und in verschiedene Täler, dort wo im Rücken der Stadt das Terrain zu Hügeln und Bergen ansteigt. |